Moskau (dpa) - Verhärtete Fronten: Die neuen Gespräche über das iranische Atomprogramm haben am ersten Verhandlungstag kurz vor dem Abbruch gestanden. Die Europäische Union weigerte sich, ihre Sanktionen gegen Teheran aufzuheben.

Das beschlossene Öl-Embargo werde wie geplant am 1. Juli in Kraft treten, kündigte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Montag zu Beginn neuer Verhandlungen in Moskau an. Die Gespräche sollten am Dienstag fortgesetzt werden.

Auch Teheran beharrte weiter auf seiner Position: Die 5+1-Gruppe (die fünf UN-Vetomächte Russland, USA, Großbritannien, Frankreich und China sowie Deutschland) müsse Irans Recht auf ein ziviles Atomprogramm anerkennen. Dazu gehöre auch die Frage der Urananreicherung, sagte der iranische Chefunterhändler Said Dschalili. Hingegen verlangte Ashtons Sprecher erneut, dass Teheran die umstrittene Urananreicherung auf 20 Prozent einstellen müsse. Die EU erwarte nicht, dass das Problem in Moskau gelöst werde, sagte der Sprecher.

Nach iranischen Angaben ist das angereicherte Uran zur Herstellung von Brennstoff für einen medizinischen Reaktor in Teheran bestimmt. Für eine Erlaubnis zur Inspektion seiner Atomanlagen fordert der Iran zudem ein Ende der Zwangsmaßnahmen. Das lehnt der Westen jedoch bis jetzt ab.

Je eher der Iran die Gegenseite vom friedlichen Charakter seines Atomprogramms überzeuge, desto rascher werde die 5+1-Gruppe Teheran die zivile Nutzung genehmigen, kündigte Russlands Vize-Außenminister Sergej Rjabkow an. «Wir müssen wieder Vertrauen aufbauen.»

Zu Beginn der Gespräche in der russischen Hauptstadt kritisierte der Iran, Ashton und die 5+1-Gruppe hätten sich nicht an die Abmachungen vom letzten Treffen in Bagdad im Mai gehalten. Demnach sollten sich Experten beider Seiten im Vorfeld der neuen Verhandlungen treffen, um das Programm für Moskau vorzubreiten. Dazu sei es aber nicht gekommen. «Das hat den Verhandlungen in Moskau geschadet», sagte Dschalili.

Teilnehmer berichteten, die Atmosphäre in den Gesprächen sei «nicht positiv» gewesen. Iranischen Delegationskreisen zufolge waren Ashton und Dschalili am Vorabend zum Essen verabredet. Das Treffen wurde aber ohne Begründung abgesagt.

Die 5+1-Gruppe drängt den Iran dazu, Inspektionen in der Militäranlage Parchin in der Nähe Teherans zuzulassen. Dort gab es nach Ansicht westlicher Geheimdienste Atomtests. Der Westen verdächtigt den Gottesstaat, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an Atomwaffen zu arbeiten. Teheran bestreitet das.