Kiew (dpa) - In Abwesenheit der in Haft erkrankten ukrainischen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko (51) prüft ein Gericht in Kiew das Urteils gegen die Oppositionsführerin.

Timoschenko will unter Berufung auf Verfahrensmängel erreichen, dass die im vergangenen Oktober verhängte siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs aufgehoben wird. Zu Beginn des Verfahrens beantragte die Staatsanwaltschaft am Dienstag eine Vertagung bis zur Vorlage eines amtsärztlichen Attestes über den Zustand der Politikerin.

Vor dem Gerichtsgebäude forderten Schätzungen zufolge rund 500 Anhänger Timoschenkos bei starkem Regen die sofortige Freilassung der Inhaftierten. Als Vertreter des EU-Parlaments beobachten der polnische Ex-Staatschef Aleksander Kwasniewski und der irische frühere EU-Parlamentspräsident Pat Cox den Prozess, der mit schweren technischen Problemen begann. So war eine zugesagte Übertragung in einen Raum für Journalisten doch nicht möglich.

Timoschenkos Anwalt Sergej Wlassenko sagte, er gehe nicht davon aus, dass seiner Mandantin in der Ex-Sowjetrepublik «Gerechtigkeit widerfahren» werde. Er will das international umstrittene Urteil vom Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg überprüfen lassen. EU und USA kritisieren den Prozess als politisch motiviert.