London (SID) - Die spanische Formel-1-Testpilotin Maria de Villota hat bei ihrem schweren Unfall am Dienstag im englischen Duxford Kopf- sowie Gesichtsverletzungen erlitten und ihr rechtes Auge verloren. Im Addenbrooke?s Hospital in Cambridge war de Villota von Dienstagnachmittag bis in die frühen Morgenstunden am Mittwoch operiert worden. Sie befindet sich nach Angaben ihres Marussia-Rennstall, bei dem auch Timo Glock unter Vertrag steht, in einem kritischen, aber stabilen Zustand. Die Spanierin war zwischenzeitlich bei Bewusstsein und ansprechbar.

"Wir sind dankbar für die Arbeit der medizinischen Teams aus Neurologie und Plastischer Chirurgie. Marias Familie ist im Krankenhaus, und wir tun alles Erdenkliche, um sie zu unterstützen", sagte Marussia-Teamchef John Both: "Wir bitten um Geduld und werden weitere Informationen geben, wenn es angebracht ist". Zudem kündigte Both eine umfassende Analyse des Unfalls an.

Die ehemaligen Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso und Jenson Button schickten umgehend Genesungswünsche an de Villota. "Meine ganze Energie ist bei euch", twitterte Alonso an die Familie der Verunglückten. "In dieser schweren Stunde sind meine Gedanken bei Maria und ihrer Familie", sagte Button.

Auch der frühere Formel-1-Fahrer Jackie Ickx meldete sich bei einer Buchpräsentation in Hamburg zu Wort. "Das ist natürlich ein großes Unglück, ich hoffe, dass es ihr bald wieder besser geht", sagte der Belgier: "Absolute Sicherheit wird es in der Formel 1 niemals geben, das ist Utopie - auch wenn die Ingenieure in der Vergangenheit enorm viel geleistet haben und die Autos sicherer geworden sind." Zu seiner Zeit sei der Tod "ein akzeptiertes Risiko" gewesen: "Wer Angst hat, darf gar nicht erst in ein Rennauto steigen."

Bei ihrer ersten Testfahrt für das Marussia-Team war Maria de Villota, Tochter des früheren Formel-1-Piloten Emilio de Villota, am Dienstagmorgen auf dem Gelände des "Imperial War Museum" in Duxford gegen einen Team-LKW geprallt. Sie konnte nicht aus eigener Kraft aussteigen und musste von Helfern aus dem Auto befreit werden. Ein Sprecher der örtlichen Rettungskräfte hatte von "lebensgefährlichen Verletzungen" bei de Villota gesprochen.

Die 32-Jährige sollte bei den auf zwei Tage angesetzten Aerodynamik-Tests einige neue Teile am Auto ausprobieren. Es war ihr erster Einsatz für Marussia. Experten vermuten, dass de Villota das sogenannte "Anti-Stall-System" zum Verhängnis wurde. Diese Konstruktion soll durch automatische Beschleunigung verhindern, dass das Auto bei zu langsamer Fahrt abgewürgt wird. De Villota war nach Angaben eines Augenzeugen mit "30 oder 40 Meilen" (48 bis 64 km/h) gegen den Team-LKW geprallt.

Emilio de Villota hatte 1977 bei den Grand Prix in Spanien und Österreich zwei Rennen für McLaren-Ford bestritten. Das beste Rennsport-Ergebnis des heute 61-Jährigen war 1986 der vierte Platz bei den 24 Stunden von Le Mans. Sein Sohn Emilio Jr. ist ebenfalls Rennfahrer, er startete unter anderem im Porsche-Cup.