Karlsruhe (dpa) - Bei der Geiselnahme in Karlsruhe hat der Täter nach Angaben der Staatsanwaltschaft seine Opfer «regelrecht hingerichtet». Die Polizei geht von vierfachem Mord aus. Die Tat sei geplant gewesen.

Die Polizei hat bei der Geiselnahme in Karlsruhe geschossen. Die Opfer seien zu diesem Zeitpunkt aber schon tot gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Gunter Spitz. «Der Gerichtsvollzieher konnte mit dem schlimmen Verlauf zu keinem Zeitpunkt rechnen», sagte Spitz weiterhin. Der Täter sei zuvor nicht wegen Gewaltdelikten in Erscheinung getreten.

Der Karlsruher Geiselnehmer hat den Gerichtsvollzieher nach Angaben der Polizei erst zweimal in Oberschenkel geschossen. Dann musste der ebenfalls in Geiselhaft genommene Schlüsseldienstmitarbeiter die anderen Opfer fesseln. Als er zu flüchten versuchte, hat der Täter mehrfach auf ihn geschossen.

Der Geiselnehmer setzte den Teppich seiner Wohnung in Brand. Brandgeruch aus der Wohnung habe dazu geführt, dass die Wohnung vom Spezialeinsatzkommando gestürmt wurde, teilte die Polizei mit. Er hat sich nach Polizeiangaben mit einem Schrotgewehr in den Kopf geschossen und damit selbst getötet. Zwei Geiseln tötete er mit einem Kopfschuss. Seine Lebensgefährtin starb durch einen Bauchschuss.

Der Täter war 53 Jahre alt, lebte zum Teil im Elsass und war arbeitslos. Woher er die Waffen hatte, ist noch unklar. Seine Partnerin, die Wohnungseigentümerin, war 55 Jahre alt. Der 47 Jahre alte Gerichtsvollzieher und der 33 Jahre alte Mitarbeiter des Schlüsseldienstes hinterlassen Familien mit Kindern. Getötet wurde auch der 49-jährige neue Mieter, der später an der Tür klingelte.

Beim Karlsruher Geiselnehmer hat die Polizei ein Schrotgewehr, ein Gewehr mit langem Magazin, zwei Pistolen und eine Übungshandgranate gefunden. Zudem habe der Täter über reichlich Munition verfügt. Damit hätte er sich eine lange Schießerei mit dem Spezialeinsatzkommando liefern können, sagte ein Sprecher.