Praktiker-Führung droht mit Insolvenz - Aktionäre fordern Rücktritte

Hamburg (dpa) - Die angeschlagene Baumarktkette Praktiker braucht nach Angaben des Vorstands eine Kapitalspritze von mehr als 200 Millionen Euro - sonst droht die Insolvenz. Vorstandschef Kay Hafner warb am Mittwoch bei den Aktionären eindringlich um Zustimmung für sein Rettungspaket. «Es geht um die Zukunft, oder noch konkreter: Es geht ums Überleben», sagte Hafner bei der Hauptversammlung in Hamburg. Über das Konzept sollte noch am Mittwoch abgestimmt werden. Viele Anteilseigner reagierten mit heftiger Gegenwehr und verlangten den Rücktritt von Aufsichtsrat und Vorstand. Mehrere Aktionäre sprachen von Erpressung, allen voran die Vertreterin der beiden Großaktionäre, Isabella de Krassny.

Studie: Eurokrise lässt Europas Top-Konzerne an Gewicht verlieren

Stuttgart (dpa) - In der globalen Rangliste der 100 teuersten börsennotierten Unternehmen verliert Europa laut einer Studie weiter an Gewicht. Mit 32 Treffern in der Top-100-Liste macht Europa nicht einmal mehr ein Drittel aus. Vor 18 Monaten dagegen waren es noch 36 Konzerne gewesen. Bei den USA ist der Trend umgekehrt: Stellten die Staaten im Vorkrisenjahr 2007 nur 32 der 100 teuersten Unternehmen der Welt, sind es aktuell 43. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Die Untersuchung lag der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch vor. Die sinkende Bedeutung Europas in dem nach US-Dollar erstellten Ranking sei nur zum Teil auf den schwachen Euro zurückzuführen, sagte Ernst-&-Young-Partner Thomas Harms. Hauptursache sei vielmehr die lodernde Schuldenkrise in der Eurozone und die daraus resultierenden Unsicherheiten über die Entwicklung der Staatengemeinschaft.

Finanzkrise: Banken müssen «Testament» machen - Auch Deutsche Bank

New York (dpa) - Ein «Testament» für Banken soll die Vereinigten Staaten vor einer neuerlichen Finanzkrise schützen. Neun Großbanken haben auf Anweisung der US-Finanzmarktregulierer detaillierte Pläne ausgearbeitet, wie sie im Falle ihres eigenen Versagens möglichst schnell und schonend abgewickelt werden können. Auch die Deutsche Bank musste sich Gedanken über ihr Ende machen. Denn das Frankfurter Institut ist eine Größe an der Wall Street. Die Deutsche Bank erläuterte in ihrem Notfallplan, wie eine Abwicklung des Mutterhauses hierzulande vonstattenginge und welche Auswirkungen das auf die US-Tochtergesellschaften und deren Kunden hätte.

DIW korrigiert Wachstumsprognose nach unten

Berlin (dpa) - Die Krise im Euroraum entfaltet nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) eine größere Bremswirkung auf die Konjunktur in Deutschland als zunächst erwartet. Für 2013 rechnet das DIW nun mit 1,9 Prozent Wirtschaftswachstum und damit mit einen halben Prozentpunkt weniger als noch im April veranschlagt. Für 2012 bleibt es bei der Frühjahrsprognose von einem Prozent. Die schwache konjunkturelle Entwicklung werde in diesem Jahr vorübergehend einen leichten Rückgang der Beschäftigung zur Folge haben, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner am Mittwoch in Berlin. Die Arbeitslosenquote werde 2012 und im nächsten Jahr bei knapp sieben Prozent liegen.

BayernLB will mehr Schadenersatz von Ex-Managern

München (dpa) - Die BayernLB will ihre ehemaligen Top-Manager nicht mit 25 Millionen Euro Schadenersatz für das Debakel mit der österreichischen Bank Hypo Group Alpe Adria davonkommen lassen. Diese Summe hatte das Münchner Landgericht vor zwei Wochen im Prozess gegen die Ex-Vorstände als Kompromiss vorgeschlagen. Die Bank hatte allerdings 200 Millionen Euro gefordert und will den Vorschlag des Gerichts wegen dieser großen Differenz nicht annehmen. Der Verwaltungsrat der BayernLB habe beschlossen, den Vergleichsvorschlag der Richter abzulehnen, hieß es am Mittwoch in Finanzkreisen. Damit wurde ein Bericht des «Münchner Merkurs» (Mittwoch) bestätigt. Die BayernLB wollte sich nicht dazu äußern. Die BayernLB wirft ihrem früheren Chef Werner Schmidt sowie sieben weiteren Ex-Vorständen Pflichtverletzungen vor, weil sie die Hypo Group Alpe Adria (HGAA) im Jahr 2007 für rund 1,6 Milliarden Euro kauften, obwohl deren Probleme damals schon bekannt waren.

Barclays macht Zentralbank für Zinsskandal mitverantwortlich

London (dpa) - Der Streit um Manipulationen beim Libor-Zinsatz in der Londoner City weitet sich auf staatliche Stellen aus. Vor einem Auftritt des zurückgetretenen Barclays-Chefs Bob Diamond vor dem Finanzausschuss des Parlaments lancierte die Bank Unterlagen, wonach die Zentralbank von künstlich nach unten regulierten Zinssätzen gewusst habe. So soll der stellvertretende Zentralbankchef Paul Tucker am 28. Oktober 2008 per Telefon eine Empfehlung des damals Labour-geführten Finanzministeriums an Diamond - damals Chef des Investmentbankings - weitergegeben haben. Barclays legte Unterlagen vor. Demnach soll Tucker gesagt haben: «...es muss nicht immer der Fall sein, dass wir so hoch erscheinen, wie wir das bisher waren...». Vom Tag des Gesprächs an fiel der Liborsatz rapide. Libor ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen.

Bierflaschen-Streit: Umwelthilfe contra Radeberger

Berlin/Frankfurt (dpa) - Die Deutsche Umwelthilfe wirft der Radeberger-Gruppe einen massiven Etikettenschwindel mit Bierflaschen der Marke Corona Extra vor. Diese würden entgegen der Angaben von Radeberger nicht nach Mexiko zurückgeschickt und dort wiederbefüllt, teilte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Mittwoch in Berlin mit. «Damit erschleicht sich die größte deutsche Brauereigruppe zulasten ehrlicher Mehrweg-Brauereien einen Verkaufsvorteil von über 4 Euro pro Bierkasten», kritisierte die DUH. Denn normalerweise dürften nicht die 8 Cent Pfand für Mehrwegflaschen erhoben werden, sondern es seien 25 Cent für Einwegflaschen fällig. Die Radeberger-Gruppe vertreibt die Marke Corona Extra in Deutschland. «Diese Vorwürfe entbehren jeder Grundlage und fußen auf einer Fehlinformation der Deutschen Umwelthilfe», teilte das Unternehmen mit. Die Flaschen würden über Antwerpen nach Mexiko zurückgeschickt. Jedoch weisen die Corona-Flaschen in Deutschland laut Umwelthilfe niemals Mehrweg-typische Gebrauchsspuren auf.

Kampf um Schlecker-Kunden - Aldi Süd setzt den Rotstift an

Düsseldorf (dpa) - Nach dem Schlecker-Aus kämpfen Drogerieketten, Supermärkte und Discounter um die Kunden. Aldi Süd hat nach Angaben von Branchenbeobachtern in dieser Woche bei rund 20 Drogerieartikeln Preise gesenkt. Darunter seien Sonnenmilch und einige Waschmittel, sagte Discountexperte Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail am Mittwoch. Mit den Reduzierungen, die teilweise nur wenige Cent ausmachten, orientiere sich Aldi Süd am neuen Marktführer dm. «Alle wollen vom Schlecker-Aus profitieren. Dazu gehören auch die Discounter», erläuterte Queck. Der Supermarktriese Rewe habe bereits vor einiger Zeit die Preise bei einigen Drogerieartikeln gesenkt.

EZB-Notenbanker: Vorerst kein weiterer Kauf von Staatsanleihen

Amsterdam (dpa) - Das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Klaas Knot, hat einen weiteren Kauf von Staatsanleihen angeschlagener Euro-Staaten durch die Notenbank vorerst ausgeschlossen. «Das Anleihekaufprogramm schläft tief und fest und das wird auch so bleiben», sagte der Chef der niederländischen Notenbank am Mittwoch dem niederländischen Magazin «Elsevier». Wenn jemand Südeuropa im Kampf gegen die Schuldenkrise helfen könne, dann andere Regierungen und nicht die EZB.

Slowenien will kein Hilfsantrag für Banken stellen =

Ljubljana (dpa) - Slowenien will für seine ums Überleben kämpfenden Banken keine Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm. Es werde kein Antrag gestellt, sagte Regierungschef Janez Jansa am Mittwoch in Maribor, wie die slowenische Nachrichtenagentur STA berichtete. Mit dem im Parlament verabschiedeten Sparpaket «wurde vorübergehend die Gefahr abgewendet, nach Finanzhilfen vom Internationalen Währungsfonds oder von den europäischen Hilfsmechanismen zu fragen», begründete Jansa danach seine Position. Zuvor war das Euroland an den Finanzmärkten nach Spanien und Zypern als sechster Kandidat für den Euro-Rettungsschirm in Spiel gebracht worden.

Bankia-Krise: Spanische Justiz ermittelt gegen Ex-IWF-Chef Rato

Madrid (dpa) - Wegen der Krise um die marode Madrider Großbank Bankia hat die spanische Justiz Ermittlungen gegen den früheren Generaldirektor des Weltwährungsfonds (IWF), Rodrigo Rato, eingeleitet. Der Nationale Gerichtshof ließ am Mittwoch in der spanischen Hauptstadt ein Klagegesuch gegen Rato und 32 weitere Ex-Mitglieder des Verwaltungsrats von Bankia zu. Die marode Großbank benötigt zu ihrer Sanierung vom Staat eine Kapitalzufuhr von 23,5 Milliarden Euro. Rato hatte von Januar 2010 bis Mai 2012 an der Spitze des Geldhauses gestanden und die Bank an die Börse gebracht. Das Klagegesuch war von der Partei UPyD (Union für Fortschritt und Demokratie) eingereicht und von der Staatsanwaltschaft für Korruptionsvergehen unterstützt worden.

Bayer CropScience stärkt Obst- und Gemüsegeschäft

Leverkusen/Monheim (dpa) - Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat im Pflanzenschutz das Obst- und Gemüsegeschäft mit einem Zukauf in den USA gestärkt. Zum Preis von umgerechnet 340 Millionen Euro habe Bayer CropScience das Biotech-Unternehmen AgraQuest übernommen, teilte Bayer in der Nacht zum Mittwoch mit. Die Akquisition ist die größte für Bayer CorpScience seit der Übernahme des Pflanzenschutzgeschäftes von Aventis vor mehr als zehn Jahren. AgraQuest ist ein weltweit tätiger Anbieter von Lösungen für den biologischen Pflanzenschutz.

BASF setzt trotz Umweltgefahren auf Energieträger Schiefergas

Ludwigshafen (dpa) - Trotz Warnungen vor Umweltgefahren will auch der Chemiekonzern BASF ins Geschäft mit Erdgas einsteigen, das in tiefen Gesteinsschichten gebunden ist. «Europa ist unter Zugzwang», sagte das für die Sparte «Oil & Gas» zuständige Vorstandsmitglied Harald Schwager den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX. Die BASF-Tochter Wintershall habe Anträge gestellt, um in zwei nordrhein-westfälischen Regionen nach Schiefergas suchen zu können. Die Förderung des Rohstoffs ist hoch umstritten, da Schiefergas mit Hilfe von Chemikalien aus dem Boden gelöst werden muss.

Berlin-Tourismus boomt - 24-Millionen-Marke im Visier

Berlin (dpa) - Der Berlin-Tourismus boomt, die Hauptstadt erwartet in diesem Jahr einen neuen Rekord. Insgesamt könnte übers Jahr gesehen die 24-Millionen-Marke bei den Übernachtungen geknackt werden, sagte der Geschäftsführer der Tourismus Werbegesellschaft VisitBerlin, Burkhard Kieker, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. 2011 waren bereits mehr als 22 Millionen Übernachtungen erreicht worden. In diesem Jahr sei eine erneute Steigerung von zwischen 5 bis 10 Prozent möglich. Berlin liegt in Europa nach früheren Angaben bei den Übernachtungen an dritter Stelle hinter London und Paris.