Damaskus (dpa) - Mit dem Anschlag auf wichtige Assad-Vertraute wollen bewaffnete Revolutionäre das Blatt im Syrien-Konflikt wenden. Doch das Regime wehrt sich nach Kräften - vor allem im Süden von Damaskus.

Am Donnerstag griffen Regierungstruppen Hochburgen der Regimegegner im Großraum Damaskus mit Hubschraubern an. Aktivisten berichteten, Soldaten hätten die Viertel Sajjida Seinab und Al-Hadschar al-Aswad aus der Luft mit Maschinengewehren und Raketen attackiert. Bewohner der nördlichen Viertel, die von den Kämpfen weitgehend verschont blieben, berichteten, die Hauptstadt gleiche einer Geisterstadt. Fast alle Geschäfte seien geschlossen.

Auch die Ortschaft Samalka im Umland von Damaskus geriet am Donnerstag unter heftigen Beschuss. Die bewaffneten Revolutionäre versuchten nach Angaben von Aktivisten in der Hauptstadt, mehrere Polizeiwachen zu stürmen. Dabei seien etliche Polizisten getötet worden.

Über den Aufenthaltsort von Präsident Baschar al-Assad gab es keine gesicherten Angaben. Regimegegner hatten am Mittwochabend gemeldet, die Präsidentenmaschine sei vom Militärflughafen Messe aus in Richtung der syrischen Hafenstadt Latakia gestartet. Die Assad-Familie stammt aus Kardaha oberhalb von Latakia. Beobachter hatten in den vergangenen Monaten spekuliert, die Führung könnte sich, wenn Damaskus fällt, in eine Art alawitischen Kleinstaat zurückziehen, der die Städte Latakia, Tartus und die Berge im Hinterland umfasst.

Am Vortag waren nach Angaben der Staatsmedien drei der wichtigsten Funktionäre des Sicherheitsapparates einem Sprengstoffanschlag zum Opfer gefallen: Asef Schawkat, ein Schwager von Assad, Verteidigungsminister Daud Radscheha und der ehemalige Minister Hassan Turkmani. Aus Oppositionskreisen hieß es am Donnerstag, auch der Top-Geheimdienstfunktionär Ali Mamluk sei getötet worden.

Am Donnerstag sei nach Gefechten auf den Feldern, die an das Viertel Al-Messe in Damaskus anschließen, eine große Zahl von Zivilisten geflüchtet, hieß es. Gefechte zwischen bewaffneten Revolutionären und Regierungstruppen meldeten Aktivisten auch aus den Vierteln Al-Midan und Al-Kabun. Landesweit starben nach Angaben der sogenannten Revolutionskomitees mehr als 70 Menschen, davon etwa 30 in Damaskus. Kämpfe, bei denen auch die Luftwaffe eingesetzt wurde, meldeten Aktivisten unter anderem aus der Provinz Homs.

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete, die Regierungstruppen hätten die Ortschaft Kubani in der Provinz Aleppo am Donnerstag kampflos an ein «kurdisches Volkskomitee» übergeben. Nach einer Warnung der Regimegegner hätten die Soldaten die Stadt verlassen.