Frankfurt/Main (dpa) - Nach fünf Handelstagen mit steigenden Kursen hat der Dax am Freitag spürbar unter Gewinnmitnahmen gelitten. Auslöser war laut Händlern eine erneute Zuspitzung der Lage an den Anleihemärkten Spaniens und Italiens.

Der deutsche Leitindex schloss mit einem Abschlag von 1,90 Prozent bei 6630,03 Punkten knapp über seinem Tagestief. Damit verbuchte er noch ein Wochenplus von 1,1 Prozent. Im Hoch hatte der Dax seit seinem starken Lauf ab vorvergangenem Donnerstag ein Plus von 5,6 Prozent erzielt. Für den MDax ging es am Freitag um 0,87 Prozent auf 10 807,07 Punkte nach unten. Der TecDax verlor 0,88 Prozent auf 768,55 Punkte.

Marktanalyst Jochen Intelmann von der Hamburger Sparkasse sprach von einem Rücksetzer nach einer sehr guten Woche für den Dax. Die Stimmung trübte sich kräftig ein, nachdem die Risikoaufschläge für Staatsanleihen Spaniens erneut auf Rekordhöhe kletterten und die Rendite für zehnjährige Papiere wieder über die kritische Marke von sieben Prozent schnellte. Zudem senkte Spanien seine Prognosen für die beiden kommenden Jahre und erwartet nun noch ein tieferes Abgleiten in die Rezession. Auch für italienische Staatstitel erhöhte sich der Aufschlag, er liegt jedoch deutlich unter dem Höchststand vom Herbst 2011. Die Billigung des Banken-Hilfsprogramms für Spanien von bis zu 100 Milliarden Euro durch die Euro-Finanzminister blieb, weil erwartet, ohne Wirkung.

Nach einem Analystenkommentar fielen die Papiere von RWE am Dax-Ende um 5,95 Prozent auf 31,870 Euro. Die schweizerische Bank UBS erwartet bis 2020 kein Gewinnwachstum. Auch der Kurs von Eon wurde mit nach unten gezogen und sank um 3,97 Prozent.

Ebenfalls deutliche Verluste verbuchten die Papiere der Deutschen Telekom, die 4,16 Prozent einbüßten. Sie litten, wie europaweit andere Branchenwerte, unter enttäuschenden Quartalszahlen des weltgrößten Mobilfunkkonzerns Vodafone.

Im MDax gab ein positiver Analystenkommentar EADS mit plus 4,09 Prozent auf 28,790 Euro Auftrieb. Analysten schätzen die Aussichten für den größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern günstig ein und begründen dies unter anderem mit dem soliden Flugzeugproduktionszyklus und den positiven Auswirkungen des im Vergleich zum Euro starken US-Dollar.

Im TecDax waren Solarworld mit plus 9,49 Prozent und SMA Solar mit einem Zuwachs von 12,27 Prozent die Spitzenwerte. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will ein Antidumpingverfahren gegen China wegen der Unterstützung für Solarfirmen prüfen.

Der EuroStoxx 50 büßte 2,83 Prozent auf 2237,33 Punkte ein. Auch die Indizes in Paris und London gaben deutlich nach. Am US-Aktienmarkt verloren die wichtigsten Indizes zum europäischen Börsenschluss zwischen 0,7 und 0,8 Prozent.

Am deutschen Rentenmarkt lag die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere unverändert bei 0,98 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,03 Prozent auf 135,35 Punkte. Der Bund-Future stieg um 0,45 Prozent auf 145,74 Punkte. Der Kurs des Euro sank am Abend unter 1,22 US-Dollar auf 1,2175 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,2200 (Donnerstag: 1,2287) Dollar festgelegt. Der Dollar kostete damit 0,8197 (0,8139) Euro.