Washington/Berlin (dpa) - Er wollte jeden töten, der sein Apartment betritt, sagt die Polizei. Der mutmaßliche Kino-Killer von Colorado präparierte seine Wohnung mit Sprengfallen. Die Polizei hat sie entschärft. Bei der Suche nach dem Tatmotiv meldet sie noch keine Fortschritte.

Die Gefahr, die durch das Apartment von James Holmes ausging, sei gebannt, sagte der Polizeichef der Stadt Aurora, Dan Oates, dem Nachrichtensender CNN. Am Sonntag wurde US-Präsident Barack Obama in der Stadt erwartet. Der 24-jährige Holmes wird beschuldigt, in einem Kino während der Premiere des neuen Batman-Films wahllos ins Publikum geschossen zu haben. 12 Menschen starben, 58 wurden verletzt.

Zuvor hatte Holmes nach Polizeiangaben sein Apartment mit Sprengstoff und gefährlichen Chemikalien präpariert. Während der Entschärfung wurden auch die umliegenden Häuser evakuiert. Die Bewohner der Nachbargebäude durften laut Polizei in der Nacht zu Sonntag zurückkehren.

Nur das Wohnhaus des Täters dürfe weiter nicht betreten werden. Nach Angaben von CNN lagen 26 der 58 Verletzten auch am Sonntag in Krankenhäusern. In der Stadt bei Denver sollte es weitere Gedenkfeiern geben.

Präsident Obama wird gegen Mitternacht (MESZ) erwartet. Wie das Weiße Haus mitteilte, hatte er bei seiner gut zweieinhalbstündigen Visite in Aurora auch Treffen mit Familien der Opfer geplant. Außerdem wollte sich der Präsident über die Ermittlungen zu der Bluttat vom Freitag informieren. Das Tatmotiv ist weiter unklar.

Aus dem Umstand, dass der mutmaßliche Todesschütze offensichtlich über Monate hinweg Sprengstoff und Chemikalien für die Sprengfallen per Versandhandel bestellte, schließt die Polizei, dass die Gewalttat von langer Hand geplant war. «Was wir hier sehen, sind Beweise für einiges an Berechnungen und Überlegungen», sagte Oates.

Bei der Entschärfung der Sprengfallen in Holmes Wohnung setzte die Polizei auch einen Roboter ein. Es gab mehrere kontrollierte Explosionen in der Wohnung. Es habe sich um ein «extrem gefährliches» Umfeld gehandelt. «Dieses Apartment war darauf angelegt, jeden zu töten, der es betritt», sagte Oates.

Nach Berichten der Zeitung «USA Today» war das Wohnzimmer voll mit Feuerwerkskörpern, die so manipuliert waren, dass sie wie Granaten explodiert wären.

In den vergangenen Wochen hatte Holmes außerdem die zwei Gewehre und zwei Pistolen, die er bei der Tat verwendet haben soll, legal erworben. Dies hat in den USA zu einem Wiederaufleben der Diskussion um die Waffengesetze geführt.

Der Amokschütze hatte nach Polizeiangaben Freitag kurz nach Mitternacht während der Premiere des Batman-Films «The Dark Knight Rises» in dem gut besuchten Kino erst zwei Tränengasgranaten gezündet. Dann habe er das Feuer eröffnet. Viele Kinobesucher dachten zunächst, dass die Schüsse zum Film gehörten oder es sich um ein Feuerwerk handele.

Kurze Zeit später wurde Holmes auf einem Parkplatz hinter dem Kino von der Polizei festgenommen. Er leistete keinen Widerstand. Am Montag soll Holmes erstmals vor einem Richter erscheinen.

Bericht CNN