London (SID) - Der Lübecker Epo-Experte Horst Pagel geht davon aus, dass bei Olympia in London viele Doper nicht auffallen werden. Auch bei diversen Wachstumshormon-Präparaten würden die Tests nicht greifen, sagte der Physiologie-Professor im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Focus.

Pagel, der mit seinem Kollegen Wolfgang Jelkmann derzeit an der Universität Lübeck die größte Epo-Tagung der Welt ausrichtet, sagt: "Weltweit existieren geschätzte 140 bis 160 Epo-Präparate, meist ohne klinische Zulassung und aus Indien, China, Vietnam, Kuba oder anderen Ländern stammend. Wer clever verschiedene Präparate in möglichst niedriger Dosierung mischt, kann quasi gar nicht ertappt werden. Auch bei diversen Wachstumshormon-Präparaten greifen die Tests nicht."

Den Dopingforscher überzeugen gelegentliche Erfolgsmeldungen und zuletzt der Nachweis eines harntreibenden Mittels bei Tour-de-France-Fahrer Fränk Schleck nicht. "Dass immer mal wieder welche enttarnt werden, ist meiner Meinung nach eine sportpolitische Maßnahme", sagte Pagel; "Den Zuschauern soll suggeriert werden, dass man alles tut, um einen vermeintlich sicheren Sport zu gewährleisten."