KriminalitätWissenschaftsbetrug an Ludwigshafener Klinik

Ludwigshafen (dpa) - Der Verdacht auf Wissenschaftsbetrug am Klinikum Ludwigshafen hat sich einem Untersuchungsbericht zufolge bestätigt. Ein früherer Chefarzt hat demnach bei mindestens zehn Publikationen die wissenschaftlichen Standards missachtet, indem er falsche Angaben veröffentlichte.

Das gab eine Untersuchungskommission am Mittwoch bekannt, die insgesamt 91 Arbeiten des Mediziners überprüft hat. In zahlreichen Fällen seien zudem Patienten vor Medikamenten-Studien nicht aufgeklärt worden, bei keiner Studie habe die vorgeschriebene Zustimmung der zuständigen Ethikkommission vorgelegen. Patienten seien den Erkenntnissen zufolge aber nicht zu Schaden gekommen.

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Untersucht wurden Studien des Mediziners, die zwischen 1999 und 2011 veröffentlicht wurden. Wegen fehlender Unterlagen hätten aber nicht alle Arbeiten lückenlos überprüft werden können. Der Vorsitzende der Untersuchungskommission des Klinikums, der Heidelberger Professor Eike Martin, sprach von einem «schweren Fall für die Medizin». Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Körperverletzung, Betrug und Urkundenfälschung.

Das Klinikum hatte den Mediziner Ende 2010 nach Bekanntwerden der Vorwürfe entlassen. Leser einer Fachzeitschrift hatten sich über einen Artikel des Mediziners beschwert. Ihnen waren statistische Angaben unglaubwürdig erschienen. Insgesamt hatten daraufhin 16 medizinische Fachmagazine Artikel des Ex-Chefanästhesisten zurückgezogen.

 
  • Quelle dpa
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