Trier (dpa) - «Salve Römer»: Das Römerspektakel «Brot und Spiele» hat die älteste deutsche Stadt Trier zurück in antike Zeiten versetzt: mit Legionären, Gladiatoren und Honigwein.

Die Römer sind wieder da. Nach fast 2000 Jahren sind sie mit Pomp und Gloria in die älteste deutsche Stadt Trier zurückgekehrt. Im Amphitheater rasseln die Schwerter der Gladiatoren. In den Kaiserthermen marschieren die Legionäre auf dem Exerzierfeld und zivile Römer weisen in antike Handwerkskunst ein. Geschichte zum Erleben bietet das bundesweit größte Römerspektakel «Brot und Spiele» in Trier, das am Freitagabend eröffnet wurde. Bis zum 8. September werden zur elften Auflage der Reihe rund 20 000 Besucher erwartet.

Im Amphitheater nimmt die Gladiatorenshow «Herkules und die Macht des Bösen» die Gäste mit auf eine Zeitreise in das Jahr 175. Im römischen Reich ist nur noch eine Gladiatorentruppe übrig geblieben, mit der die Herrscher ihr Volk bei Laune halten wollen. «Wollt Ihr sie kämpfen sehen?», fragt Schauspieler Thorsten Nindel («Lindenstraße») als Feldherr Avidius Cassius. Das Trierer Volk jubelt und die Gladiatoren treten mit Schwert, Dolch oder bloßen Händen gegeneinander an.

Mit dabei auch Schauspielerin Katy Karrenbauer («Hinter Gittern - Der Frauenknast») als römische Kaiserin Faustina. «Ich reise alleine. Ich habe nur meine 40 wichtigsten Sklaven dabei», sagt sie beim Einzug in die Arena mit ihrer tiefen Stimme. Die 49-Jährige steht schon zum zweiten Mal bei «Brot und Spiele» im Sand. 2011 gab sie die Amazonenkönigin. «Es macht wahnsinnig Spaß, im Amphitheater zu spielen», sagt sie. Insgesamt rund 300 Darsteller lassen bei «Brot und Spiele» an den Wochenenden antikes Leben neu aufleben.

«Trier ist weltweit die einzige Stadt, in der es in einem antiken Amphitheater echte historisch nachgestellte Gladiatorenkämpfe gibt», sagt Organisator Ronald Frank. Gekämpft werde nach archäologischen Erkenntnissen - erforscht von den Gladiatoren des Mailänder Instituts für experimentelle Archäologie «Ars Dimicandi». «Wir machen hier keine Show, es wird nach Regeln gekämpft - das Ende ist immer offen», sagt Frank. Daher gibt's auch immer wieder kleine Verletzungen.

Fest in Römerhand sind auch die Kaiserthermen. Hier haben Legionäre ihr Lager aufgeschlagen. «Ich bin mit 15 Mann und Frau der "Legio XV Primigenia" vom Niederrhein hier», sagt Alexander Schneider als Centurio. Seit er Kind war, wollte er leben wie die Römer. «Alles selbst hergestellt», sagt der Bauzeichner und zeigt stolz auf seine Rüstung. «Bei uns ist nix Fantasy. Alles ist archäologisch belegt», fügt Legionär Frank Kellner hinzu - der im richtigen Leben im Management der AOK Rheinland/Hamburg sitzt.

Bei einer römischen Musikerin kann man erfahren, dass der Vorläufer der Gitarre aus einem Schildkrötenpanzer gebaut und zur Begleitung von Erzählungen eingesetzt wurde. «Der Gesang kam erst später dazu», sagt Tina Kreft aus Solingen. Und bei Elisabeth Ruhnau aus Gelsenkirchen kann man zig Honigsorten «aus dem ganzen Imperium» probieren. Sprich Pinien-, Thymian-, Zitronen- oder Orangenhonig. Und in einer Taverne können Besucher Römerwürstchen mit Pinienkernen genießen und Honigwein schlürfen.

Die Römer hatten die Stadt Trier 16 v. Chr. als Augusta Treverorum gegründet. Trier war einst Hauptstadt des Weströmischen Reiches. Von dort wurde ein Gebiet verwaltet, das von Schottland bis nach Marokko reichte. «Brot und Spiele» organisiert die Stadt Trier zusammen mit dem Kultursommer Rheinland-Pfalz und der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Das Budget beläuft sich auf rund 555 000 Euro.

Brot und Spiele

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Ars Dimicandi