Mainz (dpa) - Helmut Hack wusste gar nicht wohin mit seiner Freude. Jeder Spieler in einem grünen Trikot, der an ihm vorbei wollte, wurde vom Präsidenten der SpVgg. Greuther Fürth umarmt.

«Das ist einfach Jubel pur», sagte Hack nach dem Premierensieg des 52. Neulings in der Fußball-Bundesliga. Als Letzter war Trainer Mike Büskens nach dem 1:0 (0:0) beim FSV Mainz 05 an der Reihe. Den Coach hätte Hack am liebsten gar nicht mehr losgelassen.

Büskens konnte den Überschwang seines Vorgesetzten gut verstehen. «Für uns ist das natürlich ein sporthistorischer Moment in der langen, langen Geschichte der Spielvereinigung», sagte der Trainer der Kleeblätter. «Jetzt dürfen wir uns nicht nur Bundesligist nennen, sondern haben auch den ersten Sieg eingefahren.»

Und das schneller als erwartet. Nach dem chancenlosen Auftritt beim 0:3 zum Auftakt gegen Bayern München hatten viele den Fürthern einen bitteren und langen Lernprozess prophezeit. Doch schon eine Woche später zeigte der Traditionsclub, dass der Aufenthalt in der Beletage des deutschen Fußballs kein kurzes Intermezzo sein soll.

«Es sagen immer alle, die kleinen Fürther, die kleinen Fürther. Mit diesem Sieg haben wir es allen gezeigt», sagte Felix Klaus, dem es in der 67. Minute vorbehalten war, den ersten Bundesliga-Treffer für die Fürther zu erzielen. «Für einen 19-Jährigen wie mich ist das natürlich ein Riesengefühl», gab der der Offensivspieler zu.

Auf dem Weg zum Erfolg griffen die Gäste auf jene Tugenden zurück, die sie schon in der vergangenen Zweitliga-Saison stark gemacht hatten. Büskens stellte wieder auf ein System mit zwei Stürmern um, zudem warfen die Franken 95 Minuten lang alles in die Waagschale. «Wir haben uns überlegt, was zeichnet uns aus. Dass wir ein Team sind, das agiert, nicht nur reagiert», erklärte Büskens.

Seine Spieler setzten das ausgezeichnet um. Am Ende war der Sieg zwar etwas glücklich, weil die Mainzer einige gute Chancen ungenutzt ließen. Doch unverdient waren die drei Punkte nicht. «Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können», sagte Verteidiger Thomas Kleine und fügte mit Blick auf alle Zweifler keck hinzu: «Wir sind nicht umsonst Zweitliga-Meister geworden.» Abheben werden sie in Fürth dennoch nicht. «Natürlich wissen wir, dass wir noch viel Zeit brauchen. Aber dieser Sieg wird uns unglaublich helfen», sagte Hack.

Beim FSV Mainz 05 machte sich dagegen lähmendes Entsetzen breit. Seit sechs Spielen warten die Rheinhessen jetzt saisonübergreifend schon auf einen Treffer aus dem Spiel heraus. Das letzte Tor, das einer Kombination entstammte, war das 4:0 von Adam Szalai am 10. April gegen den 1. FC Köln. Doch der Ungar läuft seiner Form zum Saisonstart noch hinterher, eine wirkliche Alternative hat Trainer Thomas Tuchel nicht.

Deshalb hätten die Mainzer zum Ende der Transferperiode liebend gern noch Adrian Ramos von Hertha BSC Berlin verpflichtet. Doch die Berliner gaben den Kolumbianer für ein Leihgeschäft nicht frei. Dass Manager Christian Heidel stattdessen Flügelflitzer Nikita Rukavytsya aus der Hauptstadt kaufte, wird die Sorgen der Mainzer vorerst kaum lindern. «Wir spielen noch zu verkrampft», sagte Tuchel enttäuscht.