Damaskus/Beirut/Istanbul (dpa) - Die syrischen Rebellen greifen nun vermehrt die Militärflughäfen des von ihnen bekämpften Regimes von Präsident Baschar al-Assad an.

Bei einer Attacke auf den Stützpunkt Kuris in der nördlichen Provinz Aleppo sollen sie sogar Kampfjets am Boden zerstört haben, wie Aktivisten am Samstag berichteten. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bekräftigte wegen der steigenden Flüchtlingszahlen die Forderung seines Landes nach einer Schutzzone in Syrien.

Bei der Erstürmung eines Luftwaffenstützpunkts in der östlichen Provinz Deir as-Saur erbeuteten die Rebellen nach eigenen Angaben eine nicht näher genannte Zahl von Luftabwehrraketen des Typs «Cobra». Dazu tauchten im Internet auch Aktivisten-Videos auf. Die Aufständischen hätten den Kommandeur der Basis getötet und rund 50 Regierungssoldaten gefangen genommen, hieß es.

Nach Zählung der Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London kamen in den ersten Stunden des Samstags durch die Gewalt in ganz Syrien mindestens 56 Menschen ums Leben.

Syrische Staatsmedien berichteten am selben Tag von einer Gegenoffensive gegen die in der Nähe von Militärflughäfen aktiven Rebellen. Dabei seien diesen «schwere Verluste» zugefügt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. In Damaskus wurde nach diesen Angaben ein hochrangiger Militärarzt bei einem Bombenanschlag getötet. Der Nachrichtensender Al-Dschasira berichete von Gefechten im Damaszener Stadtteil Tadamun. Von unabhängiger Seite ließen sich auch diese Informationen nicht überprüfen.

Am Freitag hatte ein Kommandeur der Aufständischen in Aleppo angekündigt, dass sich die bewaffneten Assad-Gegner künftig auf die militärische Infrastruktur der syrischen Luftwaffe konzentrieren wollten. In den vergangenen Wochen hat das Regime zunehmend mit Helikoptern und Kampfjets Stellungen der Rebellen, aber auch ganze Wohnviertel in Großstädten wie Aleppo bombardiert.

Dies hatte zu einem Anschwellen des Flüchtlingsstroms vor allem in die benachbarte Türkei geführt, wo inzwischen mehr als 80 000 syrische Kriegsvertriebene eingetroffen sind. Der türkische Ministerpräsident Erdogan verlangte deshalb erneut die Einrichtung einer für Flüchtlinge sicheren Pufferzone noch auf syrischem Boden. Dies könne aber nur mit einer gleichzeitig verhängten Flugverbotszone durchgesetzt werden, sagte er in einem Fernsehinterview am Freitagabend. Die Risiken seien sonst zu groß, fügte er hinzu. Das Vorhaben stößt allerdings bei westlichen Regierungen auf Vorbehalte.

Derweil trat der algerische Karrierediplomat Lakhdar Brahimi am Samstag die Nachfolge Kofi Annans als Syrien-Vermittler der UN und der Arabischen Liga an. Annan war mit seinem Plan eines Waffenstillstands und eines daraufhin einsetzenden Dialogs zwischen den verfeindeten Seiten in Syrien gescheitert. Unklar ist, ob Brahimi mehr Erfolg hat. Dem Vernehmen nach will er in den nächsten Wochen nach Syrien reisen und Gespräche am Sitz der Arabischen Liga in Kairo führen.