Peking (dpa) - China und die USA haben ihre Differenzen über Syrien und Territorialdispute in asiatischen Seegebieten nicht überwinden können.

Nach Gesprächen in Peking demonstrierten US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr Amtskollege Yang Jiechi am Mittwoch vor der Presse aber den Willen beider Länder, ungeachtet der Spannungen und der bevorstehenden politischen Veränderungen in Peking und Washington weiter konstruktive Beziehungen pflegen zu wollen.

Clinton zeigte sich «enttäuscht» über die Haltung Chinas und Russlands in der Syrienkrise. Beide Länder hatten mit ihrem Veto im UN-Sicherheitsrat bisher ein härteres Vorgehen gegen das Regime in Damaskus verhindert. «Je länger es andauert, umso größer ist das Risiko, dass die Krise sich ausbreitet», warnte Clinton. Es gebe bereits Auswirkungen auf den Libanon, Jordanien und die Türkei. Chinas Außenminister bekräftigte die Position der Nicht-Einmischung.

Im Territorialstreit Chinas mit seinen südostasiatischen Nachbarn um rohstoffreiche Meeresgebiete gab es ebenfalls keine Annäherung. Chinas Außenminister wiederholte: «China übt Souveränität über die Inseln im Südchinesischen Meer und die naheliegenden Gewässer aus.» Die fernab vom chinesischen Festland gelegenen Inseln und Riffe werden auch von den Philippinen, Vietnam, Malaysia, Taiwan und Brunei beansprucht.

Clinton beteuerte, die USA ergriffen in dem Konflikt nicht Partei für eine Seite. Sie wollten nur einen Verhaltenskodex für China und die anderen Staaten im Umgang mit dem Territorialstreit erreichen, um eine gefährliche Eskalation zu vermeiden. China sieht die Pläne der USA, ihren strategischen Einfluss im Pazifik auszubauen mit großem Misstrauen. Der Besuch der Außenministerin war begleitet von kritischen und teils scharfen Kommentaren in den Staatsmedien.

Clinton traf auch mit dem scheidenden Staats- und Parteichef Hu Jintao zusammen. Ein Gespräch mit Vizepräsident Xi Jinping, der im Herbst das Ruder übernehmen soll, kam überraschend aus «unerwarteten terminlichen Gründen» nicht zustande. Der künftige Staats- und Parteichef, der vergangene Woche noch kurzfristig Kanzlerin Angela Merkel empfangen hatte, sagte auch ein Treffen mit Singapurs Ministerpräsidenten und einem russischen Besucher ab. Chinas Außenminister meinte, «unnötige Spekulationen» über die Absage sollten vermieden werden.

Die China-Visite der US-Außenministerin dürfte ihre letzte vor dem Generationswechsel in der chinesischen Führung im Herbst und der US-Präsidentenwahl im November sein. Clinton hatte zuvor Indonesien und die Cookinseln besucht. Nach Peking will sie nach Osttimor, Brunei und dann Russland reisen, wo sie anstelle von US-Präsident Barack Obama am Wochenende in Wladiwostok am Gipfel der Asien-Pazifik-Staaten (APEC) teilnehmen wird.