Islamabad/Berlin (dpa) - Ein pakistanischer Minister hat 100 000 Dollar Kopfgeld auf den Macher des in den USA produzierten Mohammed-Schmähvideos ausgesetzt.

Auf einer Pressekonferenz am Samstag versprach Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Bilour demjenigen die Belohnung, «der diesen Gotteslästerer umbringt, der Unsinn über den heiligen Propheten geredet hat». Pakistans Premier Raja Pervez Ashraf und die Partei des Ministers distanzierten sich von dem Mord-Aufruf. Produzent des Films, der den Propheten Mohammed verunglimpft, soll ein in den USA lebender koptischer Christ sein.

Seit eineinhalb Wochen kommt es in vielen islamischen Ländern zu teils blutigen antiwestlichen Protesten wegen des Videos. In Pakistan waren am Freitag Großdemos außer Kontrolle geraten, mindestens 23 Menschen starben, Zeitungen sprachen zudem von über 200 Verletzten.

Bilour rief die radikalislamischen Taliban und das Terrornetzwerk Al-Kaida auf, ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen, wie die pakistanische Zeitung «Dawn» berichtete. Ihm sei klar, dass es eine Straftat sei, Menschen zum Mord aufzurufen. Es gebe aber keinen anderen Weg, «Gotteslästerern» Furcht einzuflößen.

Regierungschef Ashraf sagte am Sonntag, seine Regierung habe mit dem Kopfgeld nichts zu tun. Auch Bilours Partei, die eigentlich moderate Awami National-Partei (ANP), nahm Abstand. «Das ist eine persönliche Äußerung, die nicht der Parteilinie entspricht», sagte ANP-Sprecher Zahid Khan. Die ANP regiert die nordwestpakistanische Provinz Khyber-Pakhtunkhwa und koaliert auf nationaler Ebene mit der Pakistanischen Volkspartei (PPP) von Premier Ashraf.

Wie ein Sprecher des Premiers am Sonntag weiter mitteilte, würden Regierung und ANP-Spitze über das weitere Vorgehen beraten. Disziplinarische Schritte gegen Minister Bilour seien nicht ausgeschlossen. Vorerst bleibe er jedoch im Amt.

Auf den Straßen Pakistans blieb es am Wochenende nach Polizeiangaben zunächst ruhig. Es herrschte erhöhte Alarmbereitschaft. Regierungschef Ashraf hatte den Freitag zum landesweiten Feiertag zu Ehren des Propheten erklärt. Sowohl in der Hauptstadt Islamabad als auch in Lahore, Karachi und Peshawar schlugen Massenaufmärsche in Gewalt um. Aufgebrachte Muslime versuchten, in die besonders gesicherten Bereiche um die ausländischen Botschaften und Konsulate einzudringen.

Ausschnitte des in den USA von Privatleuten gedrehten Hetzvideos «Unschuld der Muslime» waren über die Internetplattform YouTube um die Welt gegangen. Der Film stellt den islamischen Propheten Mohammed als vertrottelten, lüsternen Bösewicht und Kinderschänder dar.

Als Drahtzieher gilt ein 55-Jähriger aus Kalifornien, eine dunkle Figur mit kriminellem Hintergrund. Laut «New York Times» wurde der Film im Sommer 2011 in der Nähe von Los Angeles gedreht. Welche Rolle der koptische Christ und Islamhasser bei der Produktion gespielt hat, ist allerdings noch unklar - einige US-Medien bezeichnen ihn als Filmemacher, andere als Drahtzieher hinter dem Streifen.

Am vergangenen Wochenende hatte die US-Bundespolizei FBI den Verdächtigen zum Verhör abgeholt. Er konnte das Revier aber nach mehreren Stunden wieder verlassen.

Dawn-Bericht