Athen (dpa) - Vielen Griechen reicht's mit Sparen. In Athen, Thessaloniki und anderen Städten des Landes gingen am Mittwoch Zehntausende auf die Straßen, um gegen neue «Sparmaßnahmen ohne Aussicht» zu protestieren. Einige trugen Särge, um auf das Ende des Sozialstaates hinzuweisen.

«Es ist das Ende der Kultur, des Sozialstaates, der Krankenkassen und der Renten», sagte der Demonstrant Themis Kontoglou im griechischen Fernsehen. Auch Priester und Offiziere der Polizei, der Armee und der Luftwaffe nahmen an den Protesten teil. Autonome randalierten am Rande der Demonstration.

In Griechenland ging am Mittwoch nichts. Fähren und Züge fuhren nicht. Dutzende Flüge fielen aus, und es gab Verspätungen im Flugverkehr wegen einer Arbeitsniederlegung der Fluglotsen. Der Müll wurde nicht abgeholt. Ärzte behandelten nur Notfälle. Die Apotheken blieben zu. Auch die Beamten aller Ministerien streikten, in den Schulen fiel der Unterricht aus. Die Gewerkschaften des staatlichen und des privaten Sektors sprachen am Nachmittag von einem Erfolg des Streiks. Im staatlichen Bereich sollen mehr als 80 Prozent der Beamten teilgenommen haben. Angaben aus staatlichen Quellen gab es nicht.

In der Finanz-Dauerkrise in Griechenland ist keine Besserung in Sicht. Die Defizite und die Schulden müssen mit Sparmaßnahmen wettgemacht werden. Die Sparmaßnahmen würgen die Wirtschaft ab. Neue Maßnahmen sind notwendig, und damit schließt sich der Teufelskreis. Immer wieder muss ein neues «allerletztes» Sparprogramm eingeführt werden. Nach dem Verlust von fast 30 Prozent ihres Einkommens in den vergangenen drei Jahren sind nun die Griechen aufgefordert, erneut zu sparen. Diesmal sollen es 11,88 Milliarden Euro sein.

Erneut werden vor allem der kleine Mann und der Rentner zur Kasse gebeten. Das Rentenalter soll von 65 auf 67 Jahre angehoben werden. Parallel bricht der Sozialstaat zusammen. Krankenhäuser sollen schließen. Der Mindestlohn wurde drastisch reduziert. Arbeitslosengeld gibt es nur für ein Jahr. Die Arbeitslosigkeit übertrifft die 24 Prozent. «Das Land wird in einen Friedhof des Sozialstaates verwandelt», sagte der Chef der linken Opposition, Alexis Tsipras, am Mittwoch im Fernsehen.

Die Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras will ungeachtet der massivsten Proteste seit ihrem Amtsantritt im Juni Tempo machen. Seit Wochen wird zwischen den Koalitionspartnern den Konservativen, den Sozialisten und der Demokratischen Linken verhandelt. Erst am Mittwoch wurde bekanntgegeben, dass lediglich Premier Samaras mit seinem Finanzminister Ioannis Stournaras sich auf die neuen Sparmaßnahmen geeinigt haben. Am Donnerstag wollte Samaras auch die Koalitionspartner - den Sozialisten Evangelos Venizelos und den Chef der Demokratischen Linken, Fotis Kouvelis - dazu bewegen, dem Sparprogramm zuzustimmen.

Die Geldgeber werden ungeduldiger, die Uhr tickt. Griechenland braucht dringend die nächste Tranche in Höhe von 31,5 Milliarden Euro. Samaras muss noch ein Hindernis überspringen. Die Sparmaßnahmen müssen noch vom Parlament gebilligt werden. Und da ist die Stimmung nicht so gut. Viele Abgeordnete haben Angst vor den Reaktionen ihrer Wähler. Schließlich muss auch die Geldgeber-Troika dem Sparprogramm zustimmen. Samaras stehen damit schwierige Tage bevor. Viel Zeit hat er nicht: Das Land soll nur noch bis Mitte November Geld haben.