Karlsruhe (dpa) - Der frühere NPD-Funktionär und mutmaßliche NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben war nach Informationen aus hochrangigen Sicherheitskreisen wohl doch kein V-Mann der Behörden. Wie aus diese Kreisen verlautete, brachten die Ermittlungen im NSU-Verfahren dafür keine Anhaltpunkte.

Wegen Umgehung der Postkontrolle im Gefängnis wurden derweil die Haftbedingungen Wohllebens verschärft. Der Thüringer ist wegen seiner Verbindungen zur Zwickauer Terrorzelle NSU seit Ende November 2011 in Untersuchungshaft. Der Terrorgruppe werden zehn Morde zur Last gelegt.

«Wegen Umgehung der Postkontrolle muss jeder Kontakt mit Mitgefangenen im Einzelfall genehmigt werden», bestätigte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Mittwoch in Karlsruhe entsprechende Medienberichte. Nach Informationen der Zeitung «Die Welt» (Donnerstag) waren bei einer Durchsuchung der Zelle Wohllebens am 7. September zwei geschmuggelte Briefe gefunden worden. Die Bundesanwaltschaft, die die Durchsuchung angeordnet hatte, wollte auf Anfrage aber keine Einzelheiten nennen.

Nach Recherchen der Online-Ausgabe der «Thüringer Allgemeinen» darf Wohlleben keinen Kontakt mehr zu Mitgefangenen haben, auch die Möglichkeiten von Telefonaten sei stark eingeschränkt. Allerdings könne Wohlleben weiterhin alle zwei Wochen Besuche seiner Familie empfangen.

Der Thüringer Verfassungsschutz betonte am Mittwoch, dass es keine Zusammenarbeit mit Wohlleben oder einem anderen der insgesamt 13 Beschuldigten im NSU-Komplex gab. Wohllebens Anwältin Nicole Schneiders versuchte ebenfalls, den V-Mann-Verdacht zu zerstreuen. «Ich habe inzwischen mit meinem Mandanten gesprochen. Er hat zu keinem Zeitpunkt mit irgendeiner Sicherheitsbehörde zusammengearbeitet», sagte sie der «Welt».

Wohlleben war 1999 in die NPD eingetreten und dort bis zum Vize-Landeschef aufgestiegen; Ende November 2011 war er im Zusammenhang mit den Ermittlungen zur NSU-Terrorserie in Jena festgenommen worden. Er soll laut «Thüringer Allgemeine» in der Justizvollzugsanstalt Tonna (Kreis Gotha) einsitzen.

Sie habe Beschwerde gegen die Verschärfung der Haft eingelegt, sagte Wohllebens Anwältin Schneiders dem Blatt. Ihr zufolge läuft an diesem Donnerstag die Stellungnahmefrist im aktuellen Haftprüfungsverfahren gegen Wohlleben ab. Mit einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes über einer Haftverlängerung rechne sie in der ersten Oktoberhälfte.