Berlin (dpa) - Mit der SPD-Entscheidung, bei der Bundestagswahl mit Peer Steinbrück gegen Kanzlerin Angela Merkel anzutreten, ist die Gefechtslage auch für die anderen Parteien klarer. Ein Jahr vor der Bundestagswahl können sie sich strategisch auf die Konfrontation einstellen.

Grüne und Linke hoffen darauf, dass sich nun neue Spielräume auf dem linken Flügel eröffnen. Bei der FDP sehen manche wachsende Chancen für eine Ampelkoalition. In der Union hingegen gilt Steinbrück als der unbequemste Kandidat. Ein Überblick:

CDU/CSU: Viele in der Union hatten bis zuletzt gehofft, dass SPD-Chef Sigmar Gabriel ins Rennen gehen würde, dem keinerlei Chancen gegen Merkel eingeräumt wurden. Auch SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier wäre für CDU und CSU kalkulierbar gewesen, Merkel hat gegen ihren einstigen Vizekanzler schon einmal gewonnen. Bei ihrem früheren Finanzminister Steinbrück dagegen wird befürchtet, dass er, bewährt in der Banken- und Euro-Krise, auch Unionswähler ansprechen könnte. Der 65-Jährige hat bereits erklärt, dass er als Minister in einem Kabinett Merkel nicht noch einmal zur Verfügung steht.

FDP: Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki war der erste aus dem schwarz-gelben Lager, der die Personalie offen begrüßte: «Steinbrück ist derjenige, mit dem die Liberalen am ehesten reden können.» Kubicki zählt zu den FDP-Politikern, die sich mit Steinbrück eine Ampelkoalition vorstellen können. Andere sehen das skeptischer und verweisen unter anderem auf dessen Vorschläge zur Zähmung der Finanzmärkte, die für die FDP als ordnungspolitischer Sündenfall gelten. Unter dem Strich gilt er den meisten Liberalen aber als das kleinste Übel.

GRÜNE: Lange Zeit war Steinbrück bei den Grünen regelrecht verhasst. Nachdem der SPD-Mann 2002 Ministerpräsident der rot-grünen Koalition in Nordrhein-Westfalen geworden war, hatte es schwerste Konflikte gegeben. Inzwischen haben aber viele ihren Frieden mit dem SPD-Mann gemacht, selbst seine damalige Gegenspielerin Bärbel Höhn gibt sich versöhnlich. Die Grünen setzen darauf, dass Steinbrück nicht nur die klassischen SPD-Wähler mobilisiert, sondern auch auf die Mitte zielt. Das bedeute eine klare Arbeitsteilung und Trennschärfe, heißt es.

LINKE: Auch die Linke rechnet mit neuem Rückenwind. «Die SPD macht links viel Platz frei, den wir auszufüllen denken», heißt es in der Bundestagsfraktion. Schließlich sei Steinbrück unter Merkel eine Stütze der großen Koalition gewesen, und als Person polarisiere er sehr stark. Das endgültige Aus für ein rot-rot-grünes Bündnis nach der Bundestagswahl bedeute dies aber nicht. «Unser inhaltliches Angebot für einen Politikwechsel steht», sagt Fraktionssprecher Hendrik Thalheim. «Steinbrück wird sich zu entscheiden haben.»