Leverkusen (dpa) - Fußball-Lehrer Thomas Tuchel wusste wirklich nicht, ob er sich maßlos ärgern oder sich über einen hoch verdienten Auswärtspunkt diebisch freuen sollte.

Beim 2:2 (0:1) als Bundesligagast von Bayer Leverkusen sahen Tuchels Profis des FSV Mainz 05 schon wie die absolut sicheren Sieger aus. Und irgendwie fiel Tuchels Entscheidung über seine Gefühlslage dann doch - und eigentlich logisch - negativ aus: «Der Ausgleich ist bitter und ärgerlich.» Vor 28 077 Zuschauern in der BayArena war der FSV klar auf Drei-Punkte-Kurs.

Der Ungar Adam Szalai mit seinem vierten Saisontreffer in der 58. Minute und der ehemalige Bayer-Spieler Marcel Risse (76.) hatten Stefan Kießlings Führungstreffer (43.) egalisiert und übertroffen. Andreas Ivanschitz verschenkte kurz vor Gonzalo Castros Treffer (87.) zum 2:2 das dritte Mainzer Tor.

«Das 2:2 haben wir erzwungen - und das war positiv», urteilte Bayer-Coach Sascha Lewandowski nach einem kuriosen Verlauf der 90 Minuten. Leverkusen übernahm sofort die Initiative und drängte die Gäste in deren Hälfte fest. Lewandowski: «Wir haben eine gute bis sehr gute erste Halbzeit gespielt.»

Danach, so hielt es der Bayer-Mann zerknirscht fest, «war es wie abgeschnitten». Die Konstanz der Werkself reicht noch nicht über die gesamte Dauer einer Begegnung aus. Wie schon beim 1:1 gegen Mönchengladbach und beim 2:2 vor zwei Wochen in Stuttgart ließen die Leverkusener zu viele Chancen und damit in letzter Konsequenz jetzt schon sechs Punkte liegen.

Offensiv tat sich beim FSV anfangs viel zu wenig. Zwangsläufig ergaben sich Bayer-Chancen wie bei Michal Kadlecs Kopfball (10.), André Schürrles Freistoß von der Strafraumgrenze (21.) oder seine Doppel-Möglichkeit in der 27. Minute: Zunächst scheiterte der frühere Mainzer an Christian Wetklo und schoss Sekunden später im Liegen vorbei.

Ein angezirkelter Versuch des Österreichers Ivanschitz sorgte in der 33. Minute für Gefahr auf der Gegenseite. Zwei Minuten vor dem Halbzeitpfiff gelang Kießling per Kopf die verdiente Führung, allerdings tatkräftig unterstützt von Wetklo, der den Ball über die Linie bugsierte. Der FSV-Keeper, der zuvor schon Gelb wegen Spielverzögerung gesehen hatte, beschwerte sich bei Schiedsrichter Peter Sippel heftig; das Spielgerät indes war in vollem Umfang über die weiße Marke gerollt.

Der FSV, für den der Däne Bo Svensson erstmals nach seinem im Dezember 2011 erlittenen Kreuzbandriss wieder dabei war, wurde dann mutiger: Ein Zwölf-Meter-Schuss von Ivanschitz wurde von Simon Rolfes noch abgeblockt (49.). Bei Szalais Ausgleich war Bayer-Keeper Bernd Leno ebenso machtlos wie eine Viertelstunde vor dem Abpfiff bei «Joker» Risses 1:2. Für den eingewechselten Mainzer war es das erste Tor seit August 2011. Dann verschenkte Ivanschitz den Mainzer Sieg (86.), was durch Castros Ausgleich fast im Gegenzug bestraft wurde.

Spieldaten:

Ballbesitz in %: 48,1 - 51,9

Torschüsse: 14 - 10

gew. Zweikämpfe in %: 55,3 - 44,7

Fouls: 8 - 15

Ecken: 5 - 3

Quelle: optasports.com