Istanbul/Beirut (dpa) - In Syrien hat das islamische Opferfest mit einer Feuerpause begonnen. Bisher herrscht nach Angaben von Aktivisten gespannte Ruhe.

Einen Zwischenfall gab es in der südlichen Provinz Daraa, wo in den frühen Morgenstunden Streitkräfte auf Demonstranten schossen, wie die oppositionellen Menschenrechtsbeobachter mitteilten. Dabei seien drei Menschen verletzt worden.

In Damaskus zeigte sich Präsident Baschar al-Assad zum Gebet in einer Moschee. Das Staatsfernsehen übertrug den Auftritt des Machthabers, der lächelnd und entspannt mit Gläubigen redete.

Die Waffenruhe zum Fest Eid al-Adha soll vier Tage halten. Die syrische Armee hatte der von den Vereinten Nationen unterstützten Feuerpause am Donnerstag zugestimmt. Die Armee behielt sich aber vor, auf Verstöße von anderer Seite zu reagieren. Die bewaffnete Opposition hatte sich schon vorher mit dem Vorschlag des internationalen Syrien-Vermittlers Lakhdar Brahimi einverstanden erklärt, über die Feiertage die Kämpfe einzustellen.

Beobachter sind skeptisch, ob die international unterstützte Feuerpause tatsächlich halten wird. In Syrien ist erst im April der Versuch, die Gewalt zu beenden, gescheitert. Damals hatte Brahimis Vorgänger Kofi Annan eine Waffenruhe ausgehandelt, die jedoch sofort wieder gebrochen wurde. Zum Jahreswechsel sollte eine Beobachtermission der Arabischen Liga das Blutvergießen stoppen. Nach einem Monat gab die Organisation angesichts der eskalierenden Gewalt den Plan wieder auf. Außerdem hat die Terrorgruppe Al-Nusra-Front bereits ihre Ablehnung der Feuerpause verkündet.

So blieben auch die internationalen Kommentare über die aktuelle Waffenruhe zurückhaltend. Das syrische Regime habe bisher nicht bewiesen, dass es sich an Abmachungen halte, sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland am Donnerstag in Washington. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach von einem kleinen «Schimmer der Hoffnung für die leidgeprüften Menschen».

Die UN-Vetomacht Russland, ein Verbündeter des Assad-Regimes, nannte die angekündigte Waffenruhe hingegen «fundamental wichtig». Dies eröffne die Möglichkeit einer politischen Lösung, teilte der Sprecher des Außenministeriums, Alexander Lukaschewitsch, am Donnerstagabend in Moskau mit.

In der Nacht vor der Feuerpause hatten die Kämpfe noch weiter angedauert. Vor allem im Großraum Damaskus sowie in Aleppo gab es immer wieder Gefechte. Allein am Donnerstag sollen landesweit mehr als 140 Menschen getötet worden sein.