Berlin (SID) - Auch knapp acht Monate nach ihrem Karriereende spürt Biathlon-Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner noch die negativen Auswirkungen ihrer Popularität. "Es ist nicht weniger geworden. Sondern eher mehr", sagte Neuner in einem Interview mit dem Münchner Merkur (Samstagausgabe): "Nach meinem Karriereende hatten viele das Bedürfnis, mich noch einmal zu sehen. Ich sag' da immer: 'Ich existiere doch noch weiter.'"

Fans würden noch immer an der Tür ihres Hauses im bayerischen Wallgau klingeln und damit wenig Respekt für die Privatsphäre der 25 Jahre alten Doppel-Olympiasiegerin zeigen. "Es gibt natürlich nach wie vor unschöne Begleiterscheinung", sagte Neuner, die in der Vergangenheit auch mehrfach Ärger mit Stalkern hatte und sich zum Höhepunkt ihres Ruhms bedroht fühlte.

Trotzdem versucht Deutschlands Sportlerin des Jahres 2011 aber ihre neu gewonnene Freizeit zu genießen und hat dem Leistungssport deswegen vollkommen den Rücken gekehrt. Als Freizeitathletin schaffe sie nun "fünfmal die Woche joggen auf jeden Fall", betonte Neuner: "Das ist für mich ein guter Start in den Tag."

Ihre Erfolgserlebnisse holt sich die dreimalige Gewinnerin des Gesamtweltcups aber Abseits von Loipe und Schießstand. "Wenn ich daran denke, dass jetzt die deutschen Biathletinnen in Finnland trainieren, wo es zu dieser Jahreszeit kaum noch hell wird, dann juckt's mich gar nicht mehr", sagte Neuner.

Seit Montag befinden sich die Skijäger um Hoffnungsträgerin Miriam Gössner und "Neuling" Evi Sachenbacher-Stehle in einem Trainingslager 200 km jenseits des Polarkreises, um sich auf den Weltcupstart Ende November in Östersund/Schweden vorzubereiten. "Es wird nicht einfach", sagte Neuner zu den Erfolgsaussichten des Teams: "Ich hoffe nur, dass alle entspannt in die ersten Wettkämpfe gehen können und nicht glauben, irgendetwas Besonderes beweisen zu müssen." Bisher habe man sich auch ein Stück weit hinter der zwölfmaligen Weltmeisterin verstecken können. Diese Zeit sei nun endgültig vorbei.

Ein letztes Mal wird Neuner am 29. Dezember bei ihrem Abschiedsrennen in der Arena Auf Schalke in die Loipe gehen. "Es ist ganz klar, dass ich nicht mehr so fit bin. Für mich ist das mehr ein Spaßwettkampf", sagte Neuner: "Ich freue mich einfach, da zu sein, den Leuten zuzujubeln."