KonflikteLuftalarm in Tel Aviv

Gaza/Tel Aviv (dpa) - Luftalarm in Tel Aviv, Racheschwüre in Gaza: International wächst die Furcht vor einem neuen Nahost-Krieg.

Erstmals seit dem Golfkrieg 1991, als der Irak Scud-Raketen auf Israel abschoss, heulten am Donnerstag die Luftalarm-Sirenen in der israelischen Metropole. Zugleich war eine dumpfe laute Explosion zu hören.

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Die israelischen Streitkräfte dementierten am Abend Berichte über den Einschlag einer Gaza-Rakete im Großraum Tel Aviv. Gleichzeitig kündigte das Militär Luftangriffe «in den nächsten Stunden» an. Israel begann mit der Mobilisierung seiner Reservisten, laut Militär könnten bis zu 30 000 Mann einberufen werden.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas brach seine Europareise ab und kehrte ins Westjordanland zurück. Die Vereinten Nationen und viele Regierungen weltweit warnten vor einer weiteren Verschärfung der Lage.

Etwa eine halbe Stunde vor dem Luftalarm hatte die israelische Armee den Einschlag einer Gaza-Rakete nur wenige Kilometer südlich von der Mittelmeermetropole auf freiem Feld bei Rischon Lezion bestätigt. Südliche Vorstädte von Tel Aviv wie Holon liegen nur etwa drei Kilometer entfernt.

Im Gazastreifen bekannte sich der bewaffnete Arm der dort herrschenden Hamas, die Kassam-Brigaden, zum Raketenangriff auf Tel Aviv. Zwei Raketen vom iranischen Typ Fadschr-5 seien bei Rischon Lezion und in Jaffa eingeschlagen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation, deren Kommandeur am Vortag von Israel getötet worden war.

In Tel Aviv brach zeitweise das Telefonnetz zusammen. Im Fernsehen war zu sehen, wie der Verkehr teilweise zum Stillstand kam und Menschen sich schutzsuchend flach auf den Boden legten.

Die Bewohner wähnten sich bisher in sicherem Abstand zum Schauplatz des jahrelangen Schlagabtauschs zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensern im Gazastreifen. Die Raketen flogen nie weiter als etwa 30 Kilometer. Tel Aviv liegt etwa 60 Kilometer entfernt.

Nach neuen Angaben der israelischen Streitkräfte wurden seit Beginn der Offensive «Säule der Verteidigung» am Vortag 250 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Dabei starben mindestens 15 Menschen, mehr als 150 wurden verletzt. Im gleichen Zeitraum seien aus dem Gazastreifen 274 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Dabei starben dort drei Menschen und mindestens zwölf wurden verletzt.

Einen Tag nach der gezielten Tötung des Hamas-Militärchefs durch Israel versammelten sich in Gaza Tausende Palästinenser, um Ahmed al-Dschabari das letzte Geleit zu geben. Der militärische Arm der Hamas im Gazastreifen bezeichnete dessen Tötung durch die israelische Luftwaffe als «Kriegserklärung» und kündigte blutige Rache an.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sehr besorgt. Er verurteilte die palästinensischen Raketenangriffe und forderte Israel zur Zurückhaltung auf. Der UN-Sicherheitsrat hatte zuvor vor «möglicherweise katastrophalen Folgen» einer Eskalation gewarnt.

Die USA bezeichneten die Raketenangriffe auf Israel in den vergangenen Tagen als «feige Taten» der Hamas. US-Präsident Barack Obama verurteile die Angriffe, für die es keine Rechtfertigung gebe, sagte sein Sprecher Jay Carney. Bereits am Vortag hatte Obama dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in einem Telefonat seine Unterstützung zugesichert.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich in einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman besorgt über die Lage. Zugleich betonte auch Westerwelle das israelische Recht auf Selbstverteidigung und den Schutz seiner Bürger.

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi bat seinen Regierungschef Hischam Kandil, an diesem Freitag zu einem Solidaritätsbesuch in den Gazastreifen zu fahren. Am Mittwoch hatte Mursi seinen Botschafter aus Israel abgezogen. «Israel muss begreifen, dass wir keine Aggression akzeptieren, die sich negativ auf die Sicherheit und Stabilität in der Region auswirkt», sagte Mursi.

Die neue Runde der Gewalt hatte am Samstag begonnen, als ein israelischer Jeep von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde. Dabei waren vier Soldaten zum Teil schwer verletzt worden.

Webseite der israelischen Armee

Jerusalem Post

Haaretz

Bericht des israelischen Rundfunks

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  • Quelle dpa