Gaza/Tel Aviv (dpa) - Der blutige Konflikt zwischen Israel und den militanten Palästinensern im Gazastreifen eskaliert. Einen Tag nach der gezielten Tötung des Hamas-Militärchefs durch Israel wurden am Donnerstag drei Menschen bei einem palästinensischen Raketenangriff auf ein israelisches Wohnhaus in Kiriat Malachi getötet.

Im Gazastreifen stieg die Zahl der Toten bei heftigen Luftangriffen auf 15. Unter den Toten waren auch vier Zivilisten, darunter zwei Kinder im Alter von drei Jahren und elf Monaten sowie eine schwangere Frau. Nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums wurden zudem mehr als 100 Menschen verletzt. Die israelische Armee begann, Reservisten einzuziehen, und nährte damit Sorgen vor einer möglichen Bodenoffensive in dem Palästinensergebiet.

Die israelische Armee habe seit Beginn der Militäroperation «Säule der Verteidigung» am Mittwoch mehr als 160 Ziele aus der Luft und von See aus angegriffen, teilte eine Armeesprecherin in Tel Aviv mit. Die radikal-islamische Hamas hat nach eigenen Angaben mehr als 120 Raketen auf Israel abgefeuert, Israels Armee sprach von 135 Raketen. In großen Städten wie Beerscheva, Aschkelon und Aschdod heulten am Donnerstag immer wieder die Warnsirenen. Etwa ein Viertel der Geschosse wurde von der Raketenabwehr abgefangen. Die Armee dementierte Angaben der Hamas, sie habe erstmals auch eine Rakete auf Tel Aviv abgefeuert.

In Gaza versammelten sich am Donnerstag Tausende von Palästinensern, um dem von Israel am Vortag getöteten Militärchef der radikal-islamischen Hamas, Ahmed al-Dschabari, das letzte Geleit zu geben. Der militärische Arm der Hamas im Gazastreifen hat seine gezielte Tötung durch die israelische Luftwaffe als «Kriegserklärung» bezeichnet und massive Rache angekündigt.

Die Vereinten Nationen warnten unterdessen vor «möglicherweise katastrophalen Folgen» der neuen Konfrontation. Die Situation dürfe nicht unterschätzt werden, sagte der UN-Untergeneralsekretär für Politische Fragen, Jeffrey Feltman, am späten Mittwochabend (Ortszeit) in einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats in New York.

US-Präsident Barack Obama sicherte dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu seine Unterstützung zu. Obama habe in dem Telefonat bekräftigt, dass Israel ein Recht auf Selbstverteidigung habe, teilte das Weiße Haus in Washington am Mittwochabend (Ortszeit) mit. Netanjahu solle alles dafür tun, um Todesopfer in der Zivilbevölkerung zu vermeiden.

China zeigte sich «ernsthaft besorgt» über die israelischen Angriffe im Gaza-Streifen und rief Israel zu «äußerster Zurückhaltung» auf.

Ägypten berief aus Protest gegen Israels Angriffe seinen Botschafter aus Tel Aviv zurück. Zudem werde Israels Botschafter einbestellt. Die Arabische Liga berief für Samstag ihre Außenminister zu einer Sondersitzung in Kairo ein.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak nannte am Mittwochabend vier Ziele der Aktion: Stärkung der israelischen Abschreckung, Zerstörung der Raketen-Infrastruktur im Gazastreifen, Schwächung terroristischer Gruppen und Schutz der israelischen Bevölkerung vor künftigen Raketenangriffen. Auch die Opposition unterstützte das Vorgehen.

Die neue Runde der Gewalt hatte am Samstag begonnen, als ein israelischer Jeep von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde. Dabei waren vier Soldaten zum Teil schwer verletzt worden.

Bericht von Safa, Arabisch

Webseite der israelischen Armee

Jerusalem Post

Haaretz

Bericht des israelischen Rundfunks

Bericht der Zeitung Haaretz zum Thema