Prag (dpa) - Tschechien ist im Tennis-Fieber. Zwei Wochen nach dem Fed-Cup-Triumph der Damen um Petra Kvitova gegen Serbien greifen auch die Herren mit dem Weltranglisten-Sechsten Tomas Berdych an der Spitze im Davis Cup nach dem begehrten Titel im Mannschaftswettbewerb.

Als erste Nation seit den USA 1990 können die Tschechen das Team-Double schaffen. Im 100. Davis-Cup-Finale der Geschichte treffen die Tschechen von Freitag an auf Titelverteidiger Spanien, der wegen des Ausfalls von Rafael Nadal ersatzgeschwächt nach Prag reist. Die iberischen Hoffnungen auf dem Weg zum vierten Titel in den vergangenen fünf Jahren ruhen deshalb auf David Ferrer.

«Es war die beste Saison meiner Karriere. Jetzt hoffe ich, den Davis Cup zu gewinnen und das Jahr perfekt zu machen», sagte Ferrer. Die Nummer fünf der Welt fühlt sich wie alle Spanier auf Sand am wohlsten, weshalb die Tschechen in der O2 Arena einen besonders schnellen Belag ausgewählt haben. «Erst war er mir noch zu langsam. Deshalb haben wir noch eine Schicht hinzugefügt. Jetzt ist er gut», frohlockte Radek Stepanek.

Der Routinier kann mit dem Davis-Cup-Triumph seine Karriere krönen, nachdem er zuletzt immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde. «Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich losgeht», sagte Stepanek. «Auf diesen Moment habe ich mein ganzes Tennisleben gewartet.»

Stepanek und Berdych gelten auf der Tour als Tennis-Rüpel, aber in der Heimat werden sie verehrt. Die 14 100 Tagestickets für die Neuauflage des Endspiels von 2009 waren innerhalb von neun Stunden vergriffen. Die damals siegreichen Spanier erwartet in der tschechischen Hauptstadt ein Hexenkessel.

Unter den Zuschauern wird auch Ivan Lendl sein, der vor 32 Jahren den bislang einzigen Davis-Cup-Titel für Tschechien geholt hatte. «Ich denke, die Partie ist völlig offen. Die Spanier sind verdammt stark, aber auch unsere Jungs haben zuletzt gut gespielt», sagte Lendl.

Doch auch wenn die Spanier auf den seit Juni wegen Knieproblemen pausierenden Nadal verzichten und auswärts antreten müssen, gehen sie leicht favorisiert in die Partie. Neben Spitzenspieler Ferrer, der das Finale am Freitag gegen Stepanek eröffnen wird, setzt Teamchef Alex Corretja vor allem auf sein Doppel Marcel Granollers und Marc Lopez. Das spanische Duo holte in der vergangenen Woche bei den ATP Finals in London den Titel und könnte das Zünglein an der Waage sein.