München/Paris (dpa) - Der Umbau der Eigentümerstruktur bei EADS soll schnell unter Dach und Fach.

Nach der Einigung von Deutschland und Frankreich auf die neue Verteilung der Anteile an dem europäischen Luft- und Raumfahrtgiganten dürfte Anfang 2013 eine außerordentliche Hauptversammlung über den Plan der bisherigen Großaktionäre abstimmen und damit den Einstieg Deutschlands als drittem staatlichen Aktionär perfekt machen. Einen genauen Termin für die Sonderversammlung gibt es aber noch nicht. Als wahrscheinlich gilt das erste Quartal. Daimler wurde unterdessen die Hälfte seines EADS-Anteils bereits für knapp 1,7 Milliarden Euro los.

Kurz vor Weihnachten bescherte der Teilausstieg den Stuttgartern damit einen Milliardengewinn. In der Nacht zum Donnerstag machte der Autobauer diesen ersten wichtigen Schritt und verkaufte gut 61,1 Millionen Anteilsscheine.

Berlin wertete die Einigung über die neue Machtverteilung bei EADS auch als ein europapolitisches Signal. In der jetzigen Situation sei es eine gute Botschaft, dass Deutschland und Frankreich gemeinsam unter Beweis stellten, «dass man diese europäische Erfolgsgeschichte fortsetzen will», hieß es am Donnerstag in Berlin. Zugleich sei die Neuordnung ein schöner Erfolg der Bundesregierung.

Nach Ansicht Berlins wird der staatliche Einfluss reduziert und die Machtbalance mit Frankreich gesichert. Insgesamt schaffe die Neuordnung die wesentlichen Voraussetzung dafür, dass EADS im weltweiten Wettbewerb bestehen könne.

Daimler wollte sich - wie die französische Lagardère-Gruppe - seit langem von den Anteilen trennen, was den komplizierten Umbau der Besitzverhältnisse bei dem für Airbus-Flugzeuge und Ariane-Raketen bekannten EADS-Konzern überhaupt erst nötig gemacht hatte.

2,76 Prozent der von Daimler platzierten Aktien erwarb nun die staatliche Förderbank KfW. Auf Basis des Stückpreises von 27,23 Cent ergibt dies rechnerisch ein Betrag von rund 615 Millionen Euro. Private Investoren des deutschen Dedalus-Konsortiums übernahmen 1,9 Prozent. Dedalus ist ein Zusammenschluss privater und öffentlicher Banken sowie Bundesländer-Beteiligungen mit EADS-Standorten, zum Teil gehalten über Förderbanken. Die Dedalus-Gruppe hielt bereits EADS-Anteile für die deutsche Seite.

Baden-Württemberg erklärte am Donnerstag, dass es seinen Anteil an EADS verkauft. Der Anteil wurde nicht beziffert, ist aber nur gering und wurde über zwei Institute gehalten. Die Länder Hamburg, Bayern, Bremen und Niedersachsen hielten aus standortpolitischen Gründen an EADS fest, wie die «Stuttgarter Zeitung» unter Berufung auf Regierungskreise berichtete. In diesen Bundesländern sind bedeutende EADS- oder Airbus-Werke ansässig, so beispielsweise in Hamburg das deutsche Airbus-Hauptwerk in Finkenwerder.

Stand Donnerstag verfügt Deutschland über 10,2 der angestrebten 12 Prozent-Beteiligung an EADS. Auch Frankreich soll am Ende des Umbaus über 12 Prozent verfügen, Spanien 4 Prozent. Der Staatsanteil liegt dann bei knapp unter 30 Prozent.

Die US-Ratingagentur Moody's senkte die Kreditwürdigkeit von EADS wegen der zu erwartenden geringeren Unterstützung durch die staatlichen Anteilseigner. Wie die Agentur am Donnerstag mitteilte, ging es um eine Stufe auf «A2» abwärts, allerdings ist die Bewertung immer noch gut.

EADS kommt laut Analysten aber zugute, dass der bisherige komplizierte Aktionärspakt, der Stimm- und Vetorechte der Staaten regelte, abgeschafft wird und durch ein «normales Konzernführungsmodell» ersetzt werden soll. An der Börse konnte die EADS-Aktie auch aus diesem Grund punkten. Der Kurs sprang am Donnerstag deutlich in die Höhe, zeitweilig um fast 8 Prozent.

EADS sieht sich deshalb auch durch die Einigung gestärkt und auf dem Weg, ein einfacheres und normaleres Unternehmen zu werden. Erst vor kurzem hatte EADS-Chef Tom Enders staatlichen Einfluss zu spüren bekommen, als die von ihm forcierte Fusion mit dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems am Widerstand der Bundesregierung scheiterte.

Trotz der neuen Struktur wird es nach Einschätzung von EADS- Strategiechef Marwan Lahoud keinen neuen Anlauf für eine Fusion mit den Briten geben. «Diese Chance gibt es nicht noch einmal», sagte der Top-Manager am Donnerstag dem französischen Radiosender Europe 1. In einer ähnlichen Situation werde die EADS-Führung aber künftig in einer besseren Position sein. «Aus dieser Niederlage ist der Erfolg von gestern entstanden», kommentierte Lahoud. Die Verhandlungen damals hätten die Grenzen der bisherigen Führungsstruktur aufgezeigt.

Mitteilung EADS