Berlin (dpa) - Was Armut ist, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Grundsätzlich gilt als arm, wer nicht aus eigener Kraft einen angemessenen Lebensunterhalt bestreiten kann. Was als angemessen angesehen wird, hängt von den Lebensbedingungen in einer Gesellschaft ab, und was diese als Mindestbedarf ansieht.

Armut wird überwiegend mit Einkommensarmut gleichgesetzt. Diese stellt jedoch nur einen Aspekt der Armut da und wird in den meisten Fällen von schlechten Wohnverhältnissen, hoher Verschuldung oder sozialer Ausgrenzung begleitet. Gründe dafür sind oft Krankheit, Alter oder Arbeitslosigkeit, aber auch Kinder.

Im deutschen Bundessozialhilfegesetz ist nicht von Armut die Rede, es gibt aber eine «Interventionsschwelle», wonach Bedürftige ein Recht auf Unterstützung haben. Die Hilfe soll den Empfängern ein menschenwürdiges Leben ermöglichen und Mittel zur Selbsthilfe sein.

Die Europäische Kommission hat 1981 die relativen Armutsgrenzen festgelegt. Danach ist arm, wessen Einkommen nur 50 Prozent oder weniger des durchschnittlichen Haushaltseinkommen beträgt. Diese Definition ist aber nicht unproblematisch, weil Armut damit nie verschwindet. Statt der Einkommensstatistik wird in Deutschland häufig die Sozialhilfestatistik herangezogen. Aus diesen Zahlen fallen allerdings jene heraus, die keine Sozialhilfe beantragen. So bleibt diese Dunkelziffer unberücksichtigt.

Je nach Definition galten laut dem Armutsbericht der Regierung im Jahr 1998 zwischen 6,6 Prozent und 20 Prozent der westdeutschen Bevölkerung (ohne Ausländer) als einkommensarm. Dies waren 3,9 bis 11,9 Millionen Menschen. Im Osten waren es 0,5 bis 1,8 Millionen. Dies entspricht 2,8 bis 11,9 Prozent.