Addis Abeba/Mogadischu (dpa) - Nach fast drei Jahre in der Gewalt somalischer Piraten sind 22 entführte Seeleute wieder frei. Verhandlungen führten nach Auskunft von Beobachtern in der halbautonomen Region Puntland im nordöstlichen Somalia zu einem glücklichen Ende der Geiselnahme kurz vor Weihnachten.

Offenkundig hatten Sicherheitskräfte aus Puntland seit Wochen versucht, das unter der Flagge Panamas fahrende Schiff «MV Iceberg 1» und seine Besatzung zu befreien, hieß es am Montag. Eine gewaltsame Befreiungsaktion am 10. Dezember war zunächst fehlgeschlagen. Fünf Tage später tötete die Polizei aus Puntland drei mutmaßliche Piraten und nahm drei weitere fest. Sie hatten versucht, mehrere Seeräubergruppen mit Waffen zu versorgen, die in derselben Region operieren, in der die entführten Seeleute festgehalten wurden.

Anschließend sei es zu Verhandlungen gekommen, die unter Vermittlung von Dorfältesten stattfanden, sagten Beobachter in Puntlands Hauptstadt Garowe der Nachrichtenagentur dpa. Lösegeld sei nicht gezahlt worden, erklärten die Behörden.

Das Schiff war Ende März 2010 entführt worden. Die Crew, die aus dem Jemen, Indien, Ghana, Pakistan, dem Sudan und den Philippinen stammt, wurde offenbar auch gefoltert. «Nach zwei Jahren und neun Monaten Gefangenschaft zeigen die Seeleute Zeichen von körperlicher Folter und Krankheit», hieß es in einer Mitteilung. «Die Geiseln erhalten derzeit Nahrung und werden medizinisch versorgt.»

Vor der somalischen Küste werden immer wieder Schiffe gekapert. Die Piraten wollen Lösegeld erpressen. Zum Schutz der Schifffahrtsrouten ist die EU-Mission «Atalanta» im Einsatz, an der sich auch die Bundeswehr beteiligt.