Köln (SID) - Der frühere Handball-Star Stefan Kretzschmar hat die Vereine der Bundesliga angesichts der Absagen einiger Nationalspieler für die am Freitag beginnende WM in Spanien scharf kritisiert. "Die Nationalmannschaft ist immer das Zugpferd unseres Sports. Wer zum Verzicht rät, hat keine Ahnung, worum es geht. Da wird von einigen Verantwortlichen viel zu kurzfristig und nicht weitsichtig genug gedacht. Das geht mir tierisch auf den Sender", sagte Kretzschmar der Bild am Sonntag.

Unter anderem hatte Weltmeister Holger Glandorf seinen Verzicht auf das Turnier erklärt. "Ich kann seine Absage nach langer Verletzung verstehen", sagte Kretzschmar: "Prinzipiell gilt aber: Wenn ich in der Blüte meiner Karriere aus regenerativen Gründen absage - oder aus dem Grund, dass der Erfolg nicht vorhersehbar ist, habe ich dafür null Verständnis. Wer keine Leidenschaft für das Nationalteam hat, muss sich fragen: Mache ich den Job nur, um Geld zu verdienen? Lautet so die Antwort - dann gute Nacht!"

Der 39 Jahre alte Kretzschmar, der 218 Länderspiele bestritt und 2004 mit der DHB-Auswahl Olympia-Silber holte, traut der deutschen Mannschaft dennoch ein ordentliches Abschneiden zu: "Wir sind nicht die talentierteste Mannschaft, müssen aber die leidenschaftlichste sein. Wenn die Spieler voll durchpfeffern, können wir das Halbfinale packen. Das wäre ein Erfolg."