KonflikteSorge vor Flächenbrand nach israelischem Angriff in Syrien

Tel Aviv (dpa) - Ein israelischer Luftangriff im Nachbarland Syrien hat Furcht vor einem Flächenbrand im Nahen Osten ausgelöst. Ziel der Kampfflieger war offenbar ein Konvoi mit syrischen Waffen für die israelfeindliche Hisbollah-Miliz im Südlibanon. Das zumindest wurde aus den USA berichtet.

Dagegen warfen syrische Staatsmedien Israel vor, ein militärisches Forschungszentrum in der Nähe von Damaskus in Schutt und Asche gelegt zu haben. Zwei Menschen seien dabei getötet, fünf weitere verletzt worden. Aus Israel gab es offiziell keinen Kommentar.

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Es war der erste israelische Luftangriff auf das Nachbarland seit 2007 - damals zerstörten die Israelis einen Atomreaktor, den Syrien heimlich mit Hilfe Nordkoreas gebaut haben soll. Militärische Gegenschläge blieben zunächst aus und auch die verbalen Reaktionen der mit Israel verfeindeten Nachbarn waren eher verhalten.

Der israelische Sicherheitsexperte Schlomo Brom teilte die Einschätzung, dass der Angriff einer Lieferung von Flugabwehrraketen an die libanesische Hisbollah-Miliz gegolten habe. «Dies sind Waffen, die Israel große Sorgen bereiten», sagte Brom am Donnerstag in Tel Aviv. Israels Luftwaffe ist häufig im libanesischen Luftraum im Einsatz und wäre durch hochmoderne Abwehrraketen stark gefährdet.

Bei allen offiziellen israelischen Stellen war auf die Frage nach den Angriffen nur eine gleichlautende Antwort zu bekommen: «Wir kommentieren solche Berichte nicht.» Es entspricht allerdings jahrelanger israelischer Gepflogenheit, selbst offensichtliche Angriffe nicht zuzugeben. Erst am Sonntag hatte Israel zwei Batterien des Raketenabwehrsystems Eisenkuppel im Norden des Landes aufgestellt.

Nach inoffiziellen Informationen aus Syrien galt der Angriff einem Forschungszentrum der Armee im Umland von Damaskus. Die Website All4Syria, die der Opposition nahesteht, schrieb unter Berufung auf Augenzeugen, das Zentrum in Dschamraja im Nordosten von Damaskus sei in der Nacht zum Mittwoch von neun «Granaten» getroffen worden.

Das Armeezentrum in Dschamraja liegt nur etwa fünf Kilometer vom Palast des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad entfernt. Die Opposition kritisierte, es sei eine Schande, dass Assads Regime nicht in der Lage sei, einen israelischen Luftangriff abzuwehren. Außerdem wies All4Syria darauf hin, dass die offizielle Opferzahl zu niedrig erscheine. Anwohner berichteten dem Nachrichtenportal, auf dem Gelände hätten sich stets rund 200 Menschen aufgehalten.

Russland, einer der letzten Verbündeten Syriens, nahm die Angriffe mit «tiefer Besorgnis» zur Kenntnis. «Wenn die Informationen bestätigt werden, wäre dies ein grober Verstoß gegen die UN-Charta», teilte das Außenministerium in Moskau mit. Angriffe auf Ziele in einem souveränen Staat seien «nicht hinnehmbar - aus welchen Motiven dies auch immer geschehen mag».

Die Arabische Liga verurteilte erwartungsgemäß die Luftangriffe. Die libanesische Hisbollah warf Israel vor, Teil einer «Verschwörung» gegen Syrien zu sein. Der Angriff der israelischen Luftwaffe auf syrisches Gebiet mache deutlich, dass es darum gehe, Syrien und seine Armee zu zerstören, um die «Achse des Widerstands» zu brechen, erklärte die radikal-islamische Schiitenpartei.

Der Iran als eigentliche Schutzmacht des Assad-Regimes und der Hisbollah drohte Israel harsche, aber nicht weiter erläuterte Konsequenzen an. «Dieser Akt ist eine klare Verletzung der territorialen Integrität Syriens und beweist erneut, dass die Zionisten (Israel) und der Westen keine Stabilität und Sicherheit in Syrien wollen», sagte Außenminister Ali-Akbar Salehi nach Angaben des staatlichen Fernsehsenders IRIB am Donnerstag. Der Angriff beweise weiterhin, dass die «Terroristen» in Syrien die gleichen Ziele verfolgten wie Israel.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben. «Wir haben dazu keine gesicherten Erkenntnisse», betonte er vor Beginn von Beratungen der EU-Außenminister in Brüssel.

Der israelische Rundfunk meldete am Donnerstag, der Rettungsdienst Magen David Adom trainiere angesichts der Spannungen an der Nordgrenze landesweit den Gebrauch von Gasmasken. Solche Übungen seien aber nicht ungewöhnlich und fänden häufiger statt. Schon in den Tagen zuvor war von einer verstärkten Nachfrage nach Gasmasken berichtet worden.

Die israelischen Tageszeitungen reagierten mit Sorge. In einem Kommentar der «Jediot Achronot» heißt es, dass ein solcher Angriff die betroffenen Parteien näher an einen Krieg heranführe. Die Tageszeitung «Israel Hajom» kommentierte, es sei nun an Syrien und der Hisbollah zu entscheiden, ob sie die bestehenden Spannungen in einem Krieg kulminieren lassen wollten.

Die US-Tageszeitung «Washington Post» schrieb, der Angriff löse die Besorgnis aus, dass der Bürgerkrieg in Syrien sich auf die Region ausweite.

Mitteilung, russisch

Bericht in der «New York Times»

Hisbollah-Erklärung

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  • Quelle dpa