Jerez de la Frontera (dpa) - Es ist doch wie verhext. Da durfte Mark Webber schon vor Sebastian Vettel ans Steuer des neuen Red-Bull-Rennwagens. Der Erste war er deswegen am Dienstagvormittag im spanischen Jerez de la Frontera trotzdem nicht.

Ausgerechnet ein anderer Deutscher - Nico Hülkenberg im Sauber - eröffnete vor dem australischen Routinier auf dem ehemaligen Grand-Prix-Kurs die offizielle Testphase für die kommende Formel-1-Saison.

Was wie eine kleine Randnotiz wirkt, ist für Webber dauerhaftes Muster. Das Formel-1-Leben im Schatten eines überlegenen Teampartners. So wie für Felipe Massa bei Ferrari hinter dem Vizeweltmeister und Vettel-Dauerherausforderer Fernando Alonso. Während Vettel nur an den ersten beiden Testtagen seinem Kompagnon den neuen RB9 überlässt, verzichtet Alonso ganz auf die vier Testtage in Südspanien.

Es gibt einen weiteren und sogar ziemlich großen Unterschied zwischen der Stallrivalität bei Red Bull und Ferrari: Massa fügt sich seinem Schicksal, und die Scuderia ist offensiver Vertreter der Nummer-1-Politik. Webber hingegen hadert immer wieder und spricht auch mal Klartext. Red Bull selbst und auch Vettel wollen von einer klaren Rollenzuordnung zudem nichts wissen.

«Uns ist es egal, welcher Fahrer gewinnt, solange es in einem unserer Autos ist», betont Red Bulls Teamchef Christian Horner. Der Erfolg gibt ihm recht. Drei Fahrer-Titel (Vettel), drei Konstrukteursweltmeisterschaften in drei Jahren. Red Bull, 2005 eingestiegen in die Formel 1, ist längst zum Branchenführer aufgestiegen.

Webber startet am 17. März bei seinem Heimrennen in Australien in seine siebte Red-Bull-Saison. 2010 war der mittlerweile 36-Jährige seinem ersten WM-Titel am nächsten. Damals feierte er vier seiner insgesamt neun Grand-Prix-Siege. Am Ende musste er aber mitansehen, wie sich Vettel in Abu Dhabi zum Weltmeister kürte. «Wir bieten beiden Fahrern die gleichen Möglichkeiten, es liegt an ihnen, was sie auf der Strecke machen», beteuert Horner.

Er musste jüngst die Wogen wieder glätten, nachdem Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko selbst für seine Verhältnisse den Australier ungewöhnlich scharf kritisiert und charakterisiert hatte. «Sobald er in eine gute Position im Kampf um den WM-Titel kommt, bekommt er ein wenig Probleme mit dem Druck, der dadurch erzeugt wird», hatte Marko dem hauseigenen Magazin «Red Bulletin» gesagt. Webber konterte in einem auf seiner Homepage veröffentlichten Interview: «Jeder auf dem Level hat seine eigene Agenda und es ist seit langem offensichtlich, dass ich nie Teil von Markos Agenda war.»

Auf Vettels Agenda steht Webber immer. Webber sitze als Erster im Auto und er sei sich sicher, dass der Australier sofort richtig loslegen werde. «Ich werde natürlich versuchen, daran anzuknüpfen, womit er begonnen hat, doch es wird schwierig - schwierig, Mark zu schlagen», sagte Vettel. Der 25-Jährige wird am Donnerstag und Freitag den RB9 übernehmen.

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