Nove Mesto (dpa) - Unendlichkeit wünschte sich Miriam Gössner bestimmt nicht. Anders als in der Textpassage des Hits «Tage wie diese» der Punkband Die Toten Hosen, der vor dem Start der WM-Verfolgung durch die Arena in Nove Mesto dröhnte, wird die 22-Jährige diesen Tag wohl lieber vergessen wollen.

Ein erneut schwacher Auftritt am Schießstand brachte die deutsche Medaillenhoffnung im Jagdrennen von Nove Mesto um alle Chancen. Sechs Fehler waren beim zweiten WM-Gold der Norwegerin Tora Berger am Ende gleichbedeutend mit dem enttäuschenden 21. Rang. Silber ging überraschend an die Polin Krystyna Palka vor Sprint-Siegerin Olena Pidgruschna (Ukraine).

«Wir sind halt keine Maschinen. Es geht halt nicht immer gut. Momentan habe ich ein bisschen mehr Probleme am Schießstand», sagte die Bayerin mit dem Anflug eines Lächelns. Nach dem Zieleinlauf war sie schnell in der Umkleidekabine verschwunden. Dann stellte sich Gössner aber aufgeräumt den Journalisten, nach ihrem Drama in der Mixed-Staffel hatte sie noch bitterlich geweint.

«Ich werde einfach konsequent weiter arbeiten und mein Bestes geben. Aber mehr kann ich nicht machen», sagte die dreimalige Saisonsiegerin, die noch in der Aufwärmzone via Fingerzeig Tipps des früheren Weltklasse-Athleten Raphael Poiree bekam. Aber die halfen nicht. Obwohl als Sprint-Sechste mit nur 33 Sekunden Rückstand ins Rennen gegangen, hatte sie am Ende 1:53,1 Minuten Rückstand auf die Siegerin.

Noch viel mehr wird sich Andrea Henkel ärgern. Die 35-Jährige durfte sich zumindest zum Teil als Weltmeisterin fühlen - wäre das Rennen isoliert gewertet worden, hätte die Thüringerin gewonnen. Doch durch einen katastrophalen Sprint mit Rang 33 am Samstag hatte sie sich aller Möglichkeiten auf das Treppchen beraubt und musste sich trotz einer grandiosen Aufholjagd und fehlerfreiem Schießen mit Rang sechs (+ 45,4 Sekunden) zufriedengeben. «Eigentlich bin ich das ja schon gewohnt. Es war wieder wie gehabt», meinte die achtmalige Weltmeisterin. Denn bereits zum dritten Mal nacheinander verbaute sie sich durch eine schlechte Sprint-Vorleistung eine Medaille in der Verfolgung: «Vielleicht wird noch an einer Medaille gebastelt.»

Auch ihr Heimtrainer Gerald Hönig trauerte dem schlechten Sprint nach. «Das ist bitter. Man fragt sich schon, was wäre möglich gewesen, wenn sie gestern nicht diese groben Schnitzer gehabt hätte», sagte Hönig, der eine besonders enge Verbindung zu seinem langjährigen Schützling hat. Franziska Hildebrand (3 Fehler) wurde 17., nachdem sie tags zuvor 13. geworden war.

Hönigs Fazit nach dem Wochenende mit Sprint und Verfolgung fiel dementsprechend ernüchtert aus: «Wir sind nicht zufrieden. Es sind drei Rennen um, und wir haben noch keine Medaille.» In den zwei anstehenden Ruhetagen wollen die Skijägerinnen Kraft für das Einzelrennen am Mittwoch sammeln. «Wir stecken den Kopf nicht in den Sand. Vielleicht wird die zweite Woche unsere Woche», sagte Henkel.

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