Schladming (dpa) - Kombinations-Weltmeisterin Maria Höfl-Riesch wartete, zitterte, bangte - und dann stand ihre zweite Medaille bei der Ski-WM in Schladming endlich fest. Wie vor zwei Jahren durfte sich die Doppel-Olympiasiegerin über Bronze in der Abfahrt freuen.

«Bei mir ist heute keine Gänsehaut, nur Herzklopfen und zittern. Das ist wirklich ein verrücktes Rennen, die Außenseiter haben zugeschlagen», sagte die 28-Jährige vor den Augen von Glücksbringer Franz Beckenbauer. Gold ging überraschend an die Französin Marion Rolland, die ihre Freude im Ziel lauthals herausschrie. Platz zwei sicherte sich die Italienerin Nadia Fanchini. Rolland hatte noch nie ein Weltcup-Rennen gewonnen, Fanchini gerade mal eins.

Trotz der Überraschungs-Damen vor ihr gab sich Höfl-Riesch nach der ewigen Warterei zufrieden. «Ich habe vielleicht ein bisschen Glück gehabt mit vier Hundertstelsekunden Vorsprung, aber ich habe heuer auch oft Pech gehabt. Toll, hier die zweie Medaille zu gewinnen», sagte sie nach der Warterei auf der «Abschussposition». Knapp hinter ihr verfehlte die Schweizerin Nadja Kamer um besagte vier Hundertstelsekunden das Podest.

Seit Rosi Mittermaier 1976 war keine deutsche Alpine mehr bei einer einzelnen WM mehr so erfolgreich wie Höfl-Riesch in der Steiermark. «Ich bin superhappy und es gibt keinen Grund sich über irgendwas zu beschweren», erklärte Höfl-Riesch und gönnte dem Trio die Plaketten. «Es ist das Kreuzbandpodium. Jede von uns hat mindestens schon zwei Kreuzbandrisse gehabt.»

Bei ein «bisschen Atmosphäre wie beim Fußball» fieberte Beckenbauer auch bei der entschlossenen Fahrt von Höfl-Riesch mit. Als «super» sah Beckenbauer die nächste Medaille der 28-Jährigen an. Vor zwei Jahren war der Ehrenpräsident des FC Bayern noch bei der Siegerehrung in Garmisch dabei, jetzt durfte er im Publikum Beifall spenden.

Wegen Stürzen gleich zu Beginn des Rennens wurde der Medaillenkampf schon früh zur Nervenprobe. Anders als beim wegen Nebels ständig verschobenen Super-G durften sich die Damen aber diesmal bei Sonnenschein auf die «perfekt präparierte» (Renndirektor Atle Skaardal) Sepp-Streicher-Piste wagen. Auch Veronique Hronek (Unterwössen) gehörte dabei mit Startnummer 5 zu den Leidgeplagten. Die 21-Jährige verlor die Linie und landete im Fangzaun. «Bisserl Blessuren, aber sonst passt alles», sagte Hronek.

Die Abfahrt war nichts für die Favoritinnen. Anna Fenninger (Österreich) verpasste die Top 10, Tina Maze (Slowenien) ging nach zwei Medaillen in Super-G und Kombination ebenfalls leer aus. Dagegen freute sich Rolland, die bei Olympia 2010 der große Pechvogel war. Schon gleich nach dem Start der Abfahrt von Whistler war die Französin im Schnee gelandet - und dabei hatte sie sich zu allem Übel auch noch einen Kreuzband im linken Knie zugezogen. Als einzige Mitfavoritin kam Höfl-Riesch auf der «prügelharten Piste» auf das Podium.

Für Höfl-Riesch ist die Medaillenjagd in Schladming damit noch nicht zu Ende. Am Dienstag könnte sie im Team-Event wieder in den Kampf mit eingreifen, beim Slalom am kommenden Samstag zählt sie zu den Favoritinnen. Und im Riesenslalom traut ihr Cheftrainer Thomas Stauffer ebenfalls einen Spitzenplatz zu.

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