Berlin (dpa) - Fast drei Millionen Menschen in Deutschland haben türkische Wurzeln. Sie sind damit die größte Bevölkerungsgruppe ausländischer Herkunft. Mehr als die Hälfte von ihnen hat nach Angaben des Auswärtigen Amtes einen deutschen Pass.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan setzte sich bei einem Berlin-Besuch im Oktober 2012 dafür ein, dass die türkischstämmigen Bürger in Deutschland die doppelte Staatsbürgerschaft bekommen. Das lehnt die Union unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab.

Die Türkei gehört zu den zehn beliebtesten Reisezielen der Deutschen. In der Türkei leben etwa 70 000 Deutsche. Diese ermuntert Erdogan, die türkische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Bei seinen Landsleuten in Deutschland sieht er die Gefahr, dass sie ihre eigene Kultur und Religion aufgeben müssten. 20 Prozent aller Muslime in der Bundesrepublik sind in religiösen Vereinen oder Gemeinden organisiert. In Deutschland gibt es rund 2350 Moscheen.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern gelten als belastbar und freundschaftlich, doch es gibt immer wieder schwierige Gespräche etwa über die Integration von Türken in Deutschland oder die Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei. Merkels CDU lehnt eine Vollmitgliedschaft der Türkei ab und plädiert nur für eine sogenannte privilegierte Partnerschaft. Die Bundeskanzlerin nennt die Gespräche aber «ergebnisoffen».

Die Türkei beantragte den Beitritt bereits 1987. Verhandelt wird aber erst seit 2005 und seit 2010 kommen die Gespräche nicht mehr voran. Hauptgrund dafür ist, dass die Türkei das EU-Mitglied Zypern, dessen Nordteil sie seit Jahrzehnten mit Soldaten besetzt, nicht anerkennt und die Öffnung ihrer Grenzen gegenüber der griechisch- zyprischen Regierung ablehnt. Die EU fordert aber, dass die Türkei ein Assoziierungsabkommen mit der EU auch auf Zypern anwendet.

Die Verhandlungen sind in 35 Themenbereiche («Kapitel») unterteilt. Dabei soll die Rechtslage in der Türkei in allen Bereichen in Einklang mit dem EU-Recht gebracht werden. 13 wurden eröffnet. Aber nur eines - Wissenschaft und Forschung - wurde bisher abgeschlossen.

EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei

Auswärtiges Amt zu deutsch-türkischen Beziehungen