WahlenBankrott-Kandidat Zypern wählt einen neuen Präsidenten

Nikosia (dpa) - Die pleitebedrohte Inselrepublik Zypern wählt heute einen neuen Präsidenten. Er soll das Land durch die schwerste Finanzkrise der jüngeren Geschichte führen und vor dem Bankrott bewahren. Als Favorit ging der konservative Politiker Nikos Anastasiades (66) ins Rennen.

Er kann nach Umfragen mit mehr als 40 Prozent der Stimmen rechnen. Demoskopen hielten einen Sieg von Anastasiades schon in der ersten Runde für möglich. Der noch amtierende Präsident Dimitris Christofias gilt als gescheitert und trat als erster Staatschef der Insel nicht mehr für eine zweite fünfjährige Amtszeit an.

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Sollte im ersten Durchgang keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen, findet am 24. Februar eine Stichwahl statt. Auf Zypern wird der Präsident direkt vom Volk gewählt. Er bestimmt und führt die Regierung.

Anastasiades erklärte nach der Stimmabgabe, bei diesen Wahlen gehe es «ums Überleben» der Inselrepublik. Zugleich bereitete er die Bevölkerung auf harte Sparmaßnahmen vor. «Wir müssen uns alle gemeinsam den kritischen Zuständen stellen, die auf uns zukommen», sagte Anastasiades vor Journalisten.

Zypern braucht nach offiziellen Angaben dringend 17,5 Milliarden Euro, um seine Banken und die Staatsfinanzen zu stabilisieren. Nur noch bis Ende März ist nach offiziellen Angaben Geld in den Staatskassen.

Die Krise in Griechenland hatte auch Zyperns Banken schwer in Mitleidenschaft gezogen. Zyperns Geldinstitute sind eng mit dem griechischen Bankensystem verbunden und wurden in den Strudel der Griechenland-Krise gerissen, als 2012 der Schuldenschnitt für den privaten Sektor in die Tat umgesetzt wurde.

Zwei Gegenkandidaten lieferten sich nach Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Einzug in eine mögliche Stichwahl: der linke Politiker Stavros Malas und der Vertreter der politischen Mitte, Giorgos Lillikas. Sie konnten demnach jeweils mit rund 20 Prozent der Stimmen rechnen. Auch sie hoben die Bedeutung der Abstimmung hervor. Malas sagte, mit dieser Wahl beginne «das wichtigste Kapitel in der Geschichte der Insel». «Es sind die wichtigsten Wahlen der letzten Jahrzehnte», erklärte auch Lillikas.

Die Wahllokale sollen um 18.00 Uhr Ortszeit (17.00 MEZ) schließen. Unmittelbar danach sind Prognosen auf der Grundlage von Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe geplant. Mit aussagekräftigen Hochrechnungen wird gegen 18.30 MEZ gerechnet. Wahlberechtigt sind rund 545 000 Zyprer.

Die Wahl wird auch im türkisch-zyprischen Norden der Insel mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Die Insel ist nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention seit 1974 geteilt. Zypern ist Mitglied der EU seit 2004. Das europäische Regelwerk gilt jedoch nur im griechisch-zyprischen Süden. Mehrere Verhandlungsrunden zur Überwindung der Teilung sind in den vergangenen Jahrzehnten gescheitert.

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  • Quelle dpa