Berlin (dpa) - Bundespräsident Joachim Gauck hat sich von der Parteienkritik des früheren Staatsoberhauptes Richard von Weizsäcker distanziert. Dieser hatte die Parteien seinerzeit als «machtversessen und machtvergessen» bezeichnet.

«Eine solche Kritik an der Politik werden Sie von mir sicher nicht hören», sagte Gauck dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». «Der Verdruss über sie ist zu groß, als dass ich ihn noch fördern möchte.»

Außerdem missfalle es ihm, wenn die Parteien pauschal schlechtgemacht werden. «Sie tragen seit Jahrzehnten wesentlich zur Ausgestaltung unserer Freiheit, unseres sozialen Friedens, unseres Wohlstandes bei. Ohne sie wären wir nicht da, wo wir heute sind.»

Auf die Frage, ob er den öffentlichen Umgang mit FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle in der Sexismus-Debatte unfair gefunden habe, antwortete Gauck: «Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde. Es gibt sicher in der Frauenfrage bei uns noch einiges zu tun. Aber eine besonders gravierende, flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen kann ich hierzulande nicht erkennen.» Brüderle war heftig in die Kritik geraten, nachdem eine Journalistin ihm eine anzügliche Bemerkung vorgehalten hatte.