Rom (dpa) - Soll der neue Mann auf dem Stuhl Petri wieder aus Europa kommen oder ein Kirchenführer aus der südlichen Hemisphäre sein? Kardinäle haben vor ihrem Einzug in die Sixtinische Kapelle immer wieder betont, dass Herkunft oder Hautfarbe keine Rolle spielen sollen.

An dem Punkt kommen diverse «Fraktionen» in der Weltkirche und auch die unterschiedlichen Sichtweisen ins Spiel.

Die 115 wahlberechtigten Kardinäle kommen aus 45 Ländern. Vatikan-Experten teilen sie jedoch nicht nur nach «regionalen Gruppen» ein, sondern auch in verschiedene «Lobbys» - darunter spirituelle Bewegungen und die Laienorganisation Opus Dei. Die bekanntesten dieser «Lobbyisten» im Vatikan sind:

«DIPLOMATEN»: Kardinäle, die von Papst Johannes Paul II. ernannt worden waren und sich um Kardinalsdekan Angelo Sodano gruppieren. Der 85-Jährige, der als Kardinal-Staatssekretär lange in der Funktion des «Regierungschefs» und zuvor als diplomatischer Vertreter des Vatikans im Ausland tätig war, nimmt selbst zwar nicht an der Papst-Wahl teil. Aus seinem Umfeld wird vor allem der Argentinier Leonardo Sandri als «papabile» (papsttauglich) genannt.

«BERTONIANER»: Kardinäle, die von Papst Benedikt XVI. ernannt worden sind und Tarcisio Bertone, dem derzeitigen Kardinal- Staatssekretär und Camerlengo, nahestehen. Sie rivalisieren mit der alten Garde um Sodano. Zu ihnen zählen die Italiener Antonio Maria Vegliò, Giuseppe Versaldi und Giuseppe Bertello. Bertone selbst zählt nicht zu den Favoriten, hat aber großen Einfluss.

BENEDIKT XVI.: Der emeritierte Papst nimmt zwar nicht am Konklave teil, spielt aber dennoch eine große Rolle. Er hat mehr als die Hälfte der stimmberechtigten Kardinäle ernannt und einige von ihnen auch öffentlich gelobt. Es heißt, sein Favorit sei der Italiener Angelo Scola, den er zum Erzbischof von Mailand, der wichtigsten Erzdiözese des Landes, ernannt hatte.

ITALIENISCHE BISCHÖFE: Sie sind nach italienischen Medienberichten gespalten in Nord und Süd. Die aus dem Norden sympathisieren demnach mit Angelo Scola und dem Erzbischof von Genua, Angelo Bagnasco, der zugleich Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz ist. Die aus dem Süden sollen an Einfluss verloren haben, seit Crescenzio Sepe nicht mehr Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker ist. Papst Benedikt XVI. hatte Sepe zum Erzbischof von Neapel ernannt.

OPUS DEI: Die vom Spanier Josemaría Escrivá de Balaguer gegründete Laienorganisation ist im Konklave durch den Erzbischof von Perus Hauptstadt Lima, Juan Luis Cipriani, vertreten, der von einigen zu den «papabile» (papsttauglichen) gezählt wird. Das «Werk Gottes» ist in Spanien, Italien und Lateinamerika stark verwurzelt. Dem Opus Dei gehört auch der emeritierte Kurienkardinal Julián Herranz an, den der Papst mit der Untersuchung der «Vatileaks»-Affäre betraut hatte.

SPIRITUELLE BEWEGUNGEN: Der chilenische Kardinal Francisco Javier Errázuriz Ossa vertritt im Konklave die Schönstatt-Bewegung, der Erzbischof von Mailand Angelo Scola ist im Konklave der höchste Repräsentant der Bewegung Comunione e Liberazione (Gemeinschaft und Befreiung). Scola gilt als einer der Favoriten auf die Papst- Nachfolge.

ORDENSGEMEINSCHAFTEN: Unter den Papst-Wählern sind vier Salesianer (Angelo Amato, Tarcisio Bertone, Raffaele Farina und Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga), drei Franziskaner (Carlos Amigo Vallejo, Claudio Hummes und Wilfried Fox Napier), zwei Dominikaner (Dominik Duba, Christoph Schönborn) und ein Jesuit (Jorge Mario Bergoglio).

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