MotorsportHamilton vor Silberpfeil-Debüt «glücklich»

Melbourne (dpa) - Lewis Hamilton wirkt kurz vor seinem Renndebüt im Silberpfeil noch immer wie ein verliebter Teenager. «Es ist ein großartiges Gefühl, noch ganz neu und frisch», schwärmt der schillernde Neuzugang des Mercedes-Teams vor dem Formel-1-Auftakt in Melbourne.

Es ist der Donnerstag vor dem Rennen und es klingt, als seien der Brite und das Werksteam in den Flitterwochen. «Es ist toll, dieses Gefühl nach so einer langen Zeit im Sport zu haben, ich könnte nicht glücklicher sein», beteuert Hamilton.

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Lässig im weißen T-Shirt hockt der 28-Jährige vor dem Panoramafenster eines Strandrestaurants, hinter ihm tost das Meer, die Sonne bricht durch die Wolken. Irgendwie passend. Denn Hamilton personifiziert bei Mercedes die Hoffnungen auf den Aufschwung nach drei Jahren voller Pannen und Rückschläge. «Er ist eine inspirierende Persönlichkeit», urteilt der neue Motorsportchef Toto Wolff.

Und Hamilton ist dazu noch ganz anders als sein Vorgänger. Der Weltmeister von 2008 hat das Cockpit von Rekordchampion Michael Schumacher übernommen, der seine Karriere endgültig beendet hat. «Wenn jemand wie Michael das Team verlässt, hinterlässt das eine große Lücke. Lewis füllt sie auf seine Art», sagt Teamchef Ross Brawn. «Er hat frischen Wind ins Team gebracht.»

Dabei gab es durchaus Bedenken, ob das mit Hamilton und Mercedes funktionieren kann. Nicht jeder hat verstanden, warum sich der Wahl-Monegasse vom McLaren-Rennstall verabschiedete, in dem er als Formel-1-Fahrer erwachsen geworden war. Zudem gilt der Mann mit Rapper-Image und Popstar-Freundin als schwieriger Charakter mit Hang zu Eskapaden auf und neben der Strecke. Seit neuestem ist der Bulldoggenwelpe Roscoe Hamiltons ständiger Begleiter, dem Chefvermarkter Bernie Ecclestone sogar eine eigene Zugangskarte für das Fahrerlager bewilligte.

Bei der Mercedes-Fragestunde zur Saisoneröffnung aber gibt sich Hamilton ganz handzahm und geerdet. «Es fühlt sich an, als hätte ich den richtigen Weg gewählt», erklärt er und lobt den «tollen Geist» bei seinem neuen Arbeitgeber. Auch für seinen Teamkollegen Nico Rosberg, den er schon aus Kartzeiten kennt, hat Hamilton nur warme Worte. «Wir hatten immer eine großartige Rivalität», sagt er.

Die Top-Zeiten von Rosberg und Hamilton beim Abschlusstest in Barcelona haben die Konkurrenz schon aufhorchen lassen. «Ich denke, wir haben eine tolle Zeit vor uns», meint Rosberg. Der neue Aufsichtsratschef Niki Lauda spricht ebenso wie Brawn von der «stärksten Fahrerpaarung der Formel 1». Es kostet so manchen bei Mercedes schon viel Mühe, die Erwartungen für das neue Jahr in geordnete Bahnen zu lenken.

Denn schließlich waren die vergangenen Jahre von Frust geprägt. Eigentlich rechnete die Konkurrenz erst mit der Motorenrevolution 2014 wieder mit Mercedes als ernsthaftem Titelkandidat. Doch hat der emotionale Hamilton wirklich so viel Geduld? «Es ist ein bisschen wie in einer Ehe», sagt Motorsportchef Toto Wolff. «Wir wollen in guten und in schlechten Zeiten zueinanderstehen.»

Hamiltons Australien-Vorschau

Fahrerprofil Hamilton

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  • Quelle dpa