Leverkusen (dpa) - Uli Hoeneß gab sich diesmal wortkarg. «Es war heute alles total okay», sagte Bayern Münchens Präsident nach dem 2:1-(1:0)-Duselsieg bei Bayer Leverkusen.

Der «Dreck»- und «Warnschuss»-Rede nach der Champions-League-Mühsal gegen den FC Arsenal (0:2) wollte er nichts mehr hinzuzufügen, obwohl der zwölfte Bundesliga-Auswärtssieg seiner Mannschaft auch keine Glanznummer war. Den Kampf gegen Bequemlichkeit in der Komfortzone des Erfolges nahm diesmal Sportvorstand Matthias Sammer auf. «Sie können froh sein, dass ich gute Laune habe. Sonst würde ich jetzt aggressiv reagieren», antwortete er gereizt auf die Frage, wie man den 23. Titelgewinn feiern würde, wenn es danach in der Champions League gegen Juventus Turin weitergeht.

Der FC Bayern kann am 30. März mit einem Sieg gegen den Hamburger SV der früheste Meister in der Liga-Historie werden, wenn gleichzeitig Verfolger Borussia Dortmund patzt - ansonsten eine Woche später aus eigener Kraft. «Das ist mir wurscht. Wir wissen, dass wir einen Vorsprung von 20 Punkten haben», bollerte Sammer. «Aber wir wissen auch, dass wir bei den Zielen, die wir haben, ein paar Dinge besser machen müssen.»

Ob der vorzeitige Titelgewinn zum Spannungsabbau führen kann oder neue Lust auf die Fußball-Krone in der «Königsklasse» weckt? «Beides ist möglich, da kann ich keine Prognose geben», sagte Bayerns Vorstandchef Karl-Heinz Rummenigge. «Unabhängig vom Zeitpunkt der deutschen Meisterschaft müssen wir die Spannung hoch halten. Denn wir brauchen zwei gute Tage, um Juventus im Viertelfinale zu besiegen.»

Deshalb hat Arjen Robben auch Verständnis für die Brandrede von Hoeneß. «Ich finde das gut und glaube, dass er recht hat», meinte der niederländische Nationalspieler. «Wir müssen scharf bleiben, auch wenn es in den letzten sieben Bundesligaspielen um nichts mehr gehen sollte.» Wie schwer das fällt, zeigte der Auftritt in Leverkusen. Eine gute erste Halbzeit wurde mit dem 1:0 durch Mario Gomez (37. Minute) belohnt, doch nach einem Leistungsabbau im zweiten Durchgang wurde der 22. Sieg im 26. Spiel zur Glückssache: Nach dem Ausgleich durch Bayer-Kapitän Simon Rolfes (75.) leistete Philipp Wollscheid (87.) den Münchnern mit einem Eigentor Schützenhilfe.

«Wenn ich den Biss und die Moral gesehen habe, hat mich heute der Sieg zufriedener gestellt als so manch anderer in dieser Saison», meinte Bayern-Cheftrainer Jupp Heynckes, der seine 1b-Startelf im Vergleich zur Arsenal-Partie auf fünf Positionen verändert hatte. Den Ausbruch seines Freundes Hoeneß kommentierte er lässig: «Ich sehe das ganz locker. Der Präsident hat das Recht zu loben und auch zu kritisieren. Ich nehme das zur Kenntnis. Und dann ist es auch gut.»

Nicht beendet sind dagegen seine Überlegungen, nach Ende des Engagements beim FC Bayern im Sommer die Karriere fortzusetzen. Schließlich sei Konrad Adenauer mit 71 Jahren Bundeskanzler geworden und der neue Papst mit 76 ins Amt eingeführt worden. «Dann habe ich auch das Recht, mit 68 darüber nachzudenken, ob ich noch irgendwas mache», sagte der 67-jährige Heynckes dem TV-Sender «Sky».

Bei Bayer Leverkusen ist weiter offen, ob nach der sogenannten «Pärchen-Krise» zwischen Teamchef Sami Hyypiä und Chefcoach Sascha Lewandowski das Trainerprojekt ein Auslaufmodell wird. «Sami Hyypiä bleibt auf jeden Fall nächste Saison bei uns Trainer», erklärte Sportchef Rudi Völler. Lewandowski zögere nach dem Wirbel jedoch noch, ob er den Job fortsetzt. «Es gab keinen Stress und keinen Streit, wie es vielleicht rüberkam», sagte Völler. «Am liebsten würden wir mit beiden weitermachen.»

Den von heute auf morgen vom Jugendbereich ins Profigeschäft katapultierten Lewandowski ließ die öffentliche Debatte über ihn und Hyypiä nicht kalt. «In den letzten Tagen ist ein Bild entstanden, das nicht stimmt und nicht passte», sagte Lewandowski. «Diese Dynamik kannst Du nicht so schnell aufhalten. Da ist es sinnvoll über das Projekt nachzudenken.»

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