Rom (dpa) - Vier Tage nach seiner Wahl spricht Papst Franziskus an diesem Sonntag sein erstes Angelus-Gebet. Dazu werden Zehntausende Menschen auf dem Petersplatz erwartet. Mit Staatsgästen aus aller Welt und einer Million Pilgern rechnet Rom zur feierlichen Amtseinführung des Papstes am kommenden Dienstag.

Bei einem Empfang für Medienvertreter rief Franziskus die Katholiken in aller Welt auf, sich stärker für die Armen einzusetzen. «Ich möchte eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen», sagte der 76-Jährige am Samstag bei der Audienz mit Tausenden Besuchern im Vatikan. Zugleich betonte Jorge Mario Bergoglio, dass die Kirche nicht politisch, sondern im Kern spirituell sei.

Über die personelle Besetzung der wichtigen Posten in der römischen Kurie, die durch die «Vatileaks»-Affäre um Verrat und andere Machenschaften ins Gerede gekommen war, will Franziskus erst später entscheiden. Der argentinische Papst wolle sich eine gewisse Zeit nehmen für Reflexion, Gebete und Gespräche, teilte der Vatikan mit. Die Vorgabe gilt auch für den umstrittenen Posten des Kardinalstaatssekretärs.

Der neue Papst wird nach Einschätzung des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, nicht alle Erwartungen erfüllen können. Franziskus trete kein einfaches Amt an, heißt es in einem Hirtenbrief, der an diesem Sonntag in allen Gottesdiensten des Erzbistums Freiburg verlesen wird. «Das zeigt allein die Vielzahl der Erwartungen, die vor und während der Wahl und umso mehr natürlich jetzt nach der Wahl formuliert worden sind», betont Zollitsch darin. «Diese wird er nicht alle erfüllen können.»

Mit Spannung wird in Rom das historische Treffen des neuen und des emeritierten Papstes erwartet. Nächsten Samstag will Franziskus seinen Vorgänger Benedikt XVI. treffen, wie der Vatikan ankündigte. Bergoglio und Joseph Ratzinger kommen dazu in der Papstresidenz Castel Gandolfo bei Rom zusammen. Ratzinger hat sich nach seinem Rücktritt am 28. Februar dorthin zurückgezogen, später kehrt er in ein Kloster im Vatikan zurück.

Benedikt XVI. hatte angekündigt, die Unterlagen zum «Vatileaks»- Skandal nur seinem Nachfolger zugänglich zu machen. Beobachter schlossen daraus, dass die Inhalte brisant sein dürften. In dem Skandal geht es nach Medienberichten angeblich um Korruption, Intrigen und sexuelle Ausschweifungen. Derzeit sollen sich die Geheimdokumente in Castel Gandolfo befinden.

Nach Einschätzung von Lateinamerika-Historikern der Universität Münster gibt es derzeit keine schriftlichen Belege über eine Zusammenarbeit von Franziskus mit der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983). Weil Archive nicht zugänglich seien, könne jedoch keine klare Aussage über das Wirken Bergoglios als Chef der argentinischen Jesuiten getroffen werden, sagte die Jesuitenforscherin Antje Schnoor der Nachrichtenagentur dpa.

Medien hatten berichtet, Bergoglio habe sich in der Zeit der Militärjunta nicht hinreichend für zwei Jesuitenpater eingesetzt, die zeitweise inhaftiert und gefoltert wurden. Vatikansprecher Federico Lombardi widersprach: Bergoglio habe viel getan, um Menschen zu schützen. Der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» liegt nach eigenen Angaben ein bisher unbekannter Brief von Franziskus aus dem Jahr 1976 vor, in dem er der Familie eines der betroffenen Jesuitenpater seine Unterstützung zusichert.