Nikosia (dpa) – Zyperns Präsident Nikos Anastasiades will offensiv gegen Vorwürfe vorgehen, ob Bankkunden und Unternehmen nach Warnungen vor Zwangsabgaben rechtzeitig Geld ins Ausland schaffen konnten. Die Anschuldigungen betreffen auch Familienmitglieder des Präsidenten.

Am Dienstag vereidigte Anastasiades eine vom Parlament eingesetzte Kommission aus drei ehemaligen Richtern. Sie soll sich mit Ursachen der Krise befassen und zudem die Vorwürfe einer Kapitalflucht von Anlegern untersuchen, die Mitte März Insiderinformationen über bevorstehende harte Maßnahmen genutzt haben sollen.

Unter ihnen soll nach einem unbestätigten Bericht der zyprischen kommunistischen Oppositionszeitung «Charavgi» auch die Familie eines Schwiegersohns von Anastasiades sein. Zyperns Präsident erklärte am Dienstag, die Überprüfung solle nicht nur seine angeheirateten Verwandten betreffen, sondern auch auf seine bisherige Anwaltskanzlei ausgeweitet werden. «Ich bitte Sie daher, mit Vorrang und besonderer Strenge zu prüfen, was mir direkt oder indirekt vorgeworfen wird», sagte er während der Vereidigung der Untersuchungskommission.

Laut Medienberichten sollen von Unternehmen in der Zeit vor den strengen Beschlüssen der Euro-Gruppe für die Banksanierung in Zypern Gelder in Höhe von rund 700 Millionen Euro ins Ausland geflossen sein. Griechische Medien berichteten von 136 Firmen, die daran beteiligt sein sollen.