Berlin (dpa) - Der Netzaktivist Daniel Domscheit-Berg hat die Veröffentlichung vertraulicher Kundenbeziehungen mit Scheinfirmen in Steueroasen als wichtigen Beitrag zur Debatte über mehr Transparenz begrüßt.

Nach den Fehlern der Enthüllungsplattform WikiLeaks zeige das Projekt der «Offshore Leaks», dass diese Bewegung kein vorübergehender «Hype», sondern weiter wichtig sei, sagte Domscheit-Berg am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. «Das ist eine Hammersache.»

«Wir müssen uns als Gesamtgesellschaft überlegen, wie wir mit solchen Fällen in Zukunft umgehen», forderte der ehemalige Sprecher der Enthüllungsplattform WikiLeaks, der sich im Herbst 2010 mit deren Gründer Julian Assange überwarf und danach ein Buch dazu schrieb. «Welchen Maßstab wollen wir an Transparenz anlegen, wie definieren wir die Grenzen neu? Dafür ist die Debatte sehr wichtig.» Mit den Offshore Leaks gebe es dafür nun ein greifbares und besonders plastisches Beispiel.

Die jetzt vom International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) gezeigte Art der Datenauswertung und -aufbereitung zeige, dass es seit den Fehlern von WikiLeaks eine Lernkurve gegeben habe, sagte Domscheit-Berg. «Das ist das, wo wir hin müssen: Weg vom Hype und hin zu einer professionellen und richtig strukturierten Aufbereitung von Leaks.» Die Aktivisten beim ICIJ hätten sich über viele Monate hinweg intensiv mit dem Material beschäftigt und die Veröffentlichung sorgfältig geplant. «Da hat man gelernt, Fehler zu vermeiden», sagte der Informatiker.

«Die Offshore Leaks haben der ganzen Sache eine neue Dynamik gegeben», sagte Domscheit-Berg. «Das ist ganz wichtig. Das darf nicht von einem einzelnen Projekt oder einer Person abhängig sein.» Er erwarte, dass Datenexperten und Datenjournalisten künftig «Hand in Hand zusammenarbeiten und dann viel schlagfertiger sind als beide für sich. Das sind zwei Richtungen, die zusammen gehören in der digitalen Welt.» Zu seinem eigenen Projekt OpenLeaks sagte Domscheit-Berg, das Vorhaben sei weiter lebendig, doch gebe es zurzeit keine konkreten Ankündigungen dafür.

Der Vorsitzende des Vereins Whistleblower Netzwerk, Guido Strack, begrüßte die Veröffentlichung der Offshore Leaks als Beitrag für eine positivere Bewertung der Whistleblower - also von Personen, die kritische Informationen zur Veröffentlichung zugänglich machen. «Wir hoffen, dass der Bundestag in seiner nächsten Legislaturperiode eine gesetzliche Grundlage für das Whistleblowing schaffen wird», sagte Strack der Nachrichtenagentur dpa. «Jetzt muss man abwarten, wie die Bundestagswahl ausgehen wird.»