GeschichteVon der Essiggurke zum Imperium: Berühmte Auswanderer

Mannheim/Kallstadt (dpa) - Ihre Recherchen haben sie bis in Donald Trumps Büro-Wolkenkratzer in New York geführt - dabei arbeitet die Filmemacherin Simone Wendel an einer Dokumentation über ihre pfälzische Heimat.

Der Immobilien-Magnat darf deshalb nicht fehlen, weil auch seine Vorfahren aus der Pfalz stammen. Genauer gesagt aus Kallstadt. Und damit nicht genug, denn auch die Gründer des Ketchup-Konzerns Heinz haben ihre Wurzeln in der 1200-Einwohner-Gemeinde.

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Dass ihr idyllisch an der Weinstraße gelegenes Heimatdorf in Rheinland-Pfalz zwei derart international bekannte Familien hervorgebracht hat, begeistert die 38-jährige Wendel so sehr, dass sie darüber viele Stunden Filmmaterial gedreht hat. Nach einem ersten Probedreh 2010 war sie immer wieder mit der Kamera unterwegs, in Kallstadt, New York und Pittsburgh, dem Firmensitz des Heinz-Imperiums. Zur Zeit sichtet sie zusammen mit ihren Mitstreitern, dann folgt der Schnitt. Ende des Jahres soll der Film im Kino zu sehen sein.

Dass die Vorfahren von Donald Trump und der Heinz-Gründer aus Kallstadt stammen, weiß Wendel schon seit ihrer Kindheit. Die Idee zum Film ist während ihres Studiums zur Kommunikationsdesignerin gereift: «Kürzere Filme habe ich schon vorher gedreht, aber das ist der erste große Dokumentarfilm, mit 90 Minuten Länge.»

Der Besuch bei Trump in New York sei einer der Höhepunkte der Recherche gewesen. «Donald hat sich mehr als 45 Minuten Zeit genommen. Wir haben Fotos aus der Pfalz mitgebracht, von Weinfesten und Weinbergen und dem Haus seines Opas, die wollte er behalten», erinnert sie sich.

Trumps Großvater, ein Friseur, habe Kallstadt im Jahr 1885 verlassen, im Alter von nur 16 Jahren. In den USA hatte er nach den Recherchen Wendels ein Restaurant für Goldgräber. Grundstein zum Immobilienkonzern waren dann erste Grundstückskäufe in Manhattan. Schon viel früher, 1840, wanderte Johann Heinrich Heinz aus, dessen Sohn später mit eingemachtem Meerrettich und Essiggurken den Grundstein für das Ketchup-Imperium legte.

«Der Film beleuchtet die Geschichte des Ortes, das finde ich positiv», sagt Ortsbürgermeister Günter Person. «Heinz» und «Trump» seien sehr häufige Namen in Kallstadt, die Geschichte der Auswanderer im Ort bekannt. Mit ihnen verließen zahlreiche Menschen ihre Heimat, rund fünf Millionen Deutsche suchten im 19. Jahrhundert ihr Glück in den USA.

Wendel geht es in ihrem Film mit dem Arbeitstitel «Kings of Kallstadt» aber nicht nur um die berühmten Vorfahren. Sondern auch darum, das Leben in der kleinen Gemeinde zu zeigen - «Dorfliebe und Größenwahn», wie der Untertitel verspricht: «Im Mittelpunkt steht Kallstadt und das Dorfleben, dass es da viel Gutes gibt. Gemeinschaftsgeist und Netzwerken außerhalb von Facebook zum Beispiel.» Der Film soll der Frage nachgehen, ob es Zufall sein kann, dass die Vorfahren der beiden heute so prominenten Dynastien aus dem gleichen Dorf kommen.

Vergangenes Jahr hat Wendel eine Reise mit Kallstadtern nach Pittsburgh und New York organisiert, inklusive Teilnahme an der deutsch-amerikanischen Steuben-Parade - die Pfälzer waren verkleidet als Weintrauben und hatten eine tragbare Saumagen-Nachbildung dabei. Die Tour durch die Fifth Avenue wird auf jeden Fall einen prominenten Platz in dem Film erhalten - so viel kann Wendel schon verraten.

Homepage zum Film

Kallstadt

Firmengeschichte Heinz Ketchup

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  • Quelle dpa