Konflikte42 Tote und viele Verletzte bei Anschlag an der türkischen Grenze

Istanbul (dpa) - Bei der Explosion zweier Autobomben sind in einer türkischen Stadt an der Grenze zu Syrien mindestens 42 Menschen ums Leben gekommen. Zudem seien 140 Menschen verletzt worden, sagte der türkische Vizeregierungschef Besir Atalay am Samstag türkischen Medien.

Die Hintergründe waren zunächst unklar. Die türkische Regierung erklärte aber, zu den Verdächtigen gehöre das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

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Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte, die Anschläge könnten im Zusammenhang mit dem Krieg in Syrien stehen oder eine versuchte Sabotage der Friedensbemühungen im Kurden-Konflikt sein. Außenminister Ahmet Davutoglu bewertete die Taten als gezielt gegen sein Land gerichtete Provokationen.

Es ist der bislang schwerste Zwischenfall auf türkischer Seite der Grenze seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März 2011 im Nachbarland. Die Türkei steht auf der Seite der syrischen Aufständischen und hat zahlreiche Flüchtlinge aus Syrien untergebracht. Erst jüngst hat Ankara den Kurs gegen Damaskus noch einmal verschärft. Reyhanli ist nicht weit entfernt vom Grenzübergang Cilvegözü, über den viele Flüchtlinge aus Syrien in die Türkei kommen.

Die syrische Opposition verurteilte die Anschläge mit scharfen Worten. "Wer diese verabscheuungswürdigen Terroranschläge verübt hat, will damit die türkische Regierung, die dem syrischen Volk beisteht, für ihre ehrenhafte Haltung bestrafen", erklärte die Nationale Syrische Koalition in Istanbul. Ziel des Terrors sei es offensichtlich, einen Keil zwischen Syrer und Türken zu treiben.

Syrische Revolutionsaktivisten warnten vor möglichen Übergriffen auf Syrer im Grenzgebiet. Sie riefen über den Kurznachrichtendienst Twitter alle in Reyhanli lebenden Flüchtlinge dazu auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. Als Reaktion auf die Anschläge soll es in dem Ort auch zu Übergriffen der türkischen Bevölkerung auf syrische Flüchtlinge und auf Autos mit syrischen Kennzeichen gekommen sein.

Davutoglu, der am Samstag in Berlin war, wurde von türkischen Medien mit den Worten zitiert, hinter der Tat könnten Kräfte stecken, die den Frieden in der Türkei stören wollten. "Niemand sollte unsere Macht testen. Unsere Sicherheitskräfte werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen", sagte Davutoglu. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Anschläge.

Fernsehbilder zeigten massive Zerstörungen - eine Explosion hatte ein riesiges Loch in die Straße gerissen. Nach Angaben syrischer Aktivisten waren unter den Verletzten auch einige Syrer.

Erst im Februar hatte es in dem Grenzort einen schweren Anschlag gegeben. Damals waren bei der Explosion einer Autobombe zwölf Menschen getötet und rund 30 verletzt worden. In der Türkei sind in den vergangenen Monaten zudem immer wieder Granaten aus Syrien eingeschlagen. Die türkische Armee reagierte mehrfach mit Artilleriefeuer. Am Abend erschütterte eine dritte Explosion die Stadt Reyhanli. Sie war allerdings von einem technischen Defekt an einem Auto ausgelöst worden.

Jüngst hat Ankara den Kurs gegen Assad verschärft. Ministerpräsident Erdogan sagte in einem Interview mit dem US-Sender NBC, die von den USA gezogene rote Linie zum Einsatz von Chemiewaffen sei von Syriens Regime längst überschritten. Er forderte Washington zum Handeln auf.

US-Außenminister John Kerry setzt allerdings trotz "starker Beweise" für einen Chemiewaffeneinsatz syrischer Regierungstruppen gegen die Aufständischen auf eine diplomatische Lösung. Wenn sich alle Seiten verantwortungsbewusst und verständigungsbereit zeigten, sei eine friedliche Beendigung des blutigen Bürgerkriegs möglich, sagte Kerry am Freitag (Ortszeit) in einem Online-Chat.

Erklärung Koalition, arabisch

Transkript des US-Außenministeriums

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  • Quelle dpa