Hamburg (dpa) - Für manchen Internet-Surfer ein Fluch, für Portalbetreiber aber eine Geschäftsgrundlage: die Werbung. Nachrichtenportale rufen nun die Nutzer auf, auf Werbeblocker zu verzichten.

Mit Einblendungen appellieren "Faz.net", "Golem.de", "rp-online", "Spiegel Online", "Süddeutsche.de" und "Zeit Online" in den nächsten Wochen an die Solidarität der Leser, wie der Zeit- und der Spiegel-Verlag mitteilten. Ziel sei es, die Wirtschaftlichkeit der Online-Angebote abzusichern. Dazu müssten Werbeblocker im Internet ausgeschaltet werden.

Adblocker sind Programme oder Anwendungen für den Internetbrowser, die Werbeeinblendungen blockieren oder gar nicht erst herunterladen - ergo fließen auch keine Werbeerlöse an die Verlage.

Bei Adblock Plus kam von Mitgründer Till Faida zwar Zuspruch zu der Verlagsinitiative, vor allem aber Kritik an der Online-Werbung im Netz.

Zum Hintergrund der Verlagsinitiative: Online-Dienste finanzieren sich größtenteils über Werbung. Diese Erlöse werden daran bemessen, wie viele Leser erreicht werden (Reichweiten). "Doch gegenwärtig verhindern Adblocker bei rund 25 Prozent aller Seitenaufrufe auf Nachrichten-Websites, dass Werbung ausgeliefert wird", heißt es in der gemeinsamen Mitteilung. Eine Sprecherin des Spiegel-Verlags berichtete, dass nach ihren Berechnungen bis zu einem Viertel der Umsätze verloren gingen.

Wie alle Medien brauchten auch Onlinedienste eine stabile wirtschaftliche Basis, um hochwertige Inhalte produzieren zu können, teilten die Verlage mit. Daher der gemeinsame Appell: "Gewähren Sie bitte eine Ausnahme für die durch Sie genutzten Nachrichtenseiten bei Ihrem Adblocker."

Nach Auffassung des Werbeblocker-Anbieters Adblock Plus ist die Online-Webeindustrie noch nicht innovationsfreudig genug, um sich auf Alternativen zu blinkenden Bannern einzulassen. Viele kopierten einfach das Konzept der TV-Werbung, nämlich maximale Aufmerksamkeit erzeugen, kritisierte Faida. "Das Internet aber ist ein demokratisches Medium, Nutzer lassen sich hier nichts aufzwingen." Adblock Plus habe versucht, einen Kompromiss zu finden: Nutzer könnten inzwischen bestimmte unaufdringliche Werbung als akzeptabel zertifizieren, die dann nicht mehr blockiert werde.

Faida begrüßte, dass die Nachrichten-Portale mit ihrem Vorstoß die Aufmerksamkeit auf das Thema Nutzer-Zufriedenheit mit Online-Werbung lenkten. Er forderte alle Websites, Verlage, Anzeigenanbieter und Netzwerke auf, sich dem Dialog mit dem Nutzer zu stellen und Werbung für und nicht gegen ihn zu machen.

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