Frankfurt/Main (dpa) - Die Rally am Aktienmarkt geht ungebremst weiter. Und ein Ende des Höhenflugs ist nicht in Sicht.

Zumindest in den USA wird weiter reichlich Liquidität in die Märkte gepumpt.Das hat US-Notenbankpräsident Ben Bernanke am Mittwoch versprochen und Spekulationen über einen vorzeitigen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik vorerst gestoppt.

Die Börsen reagierten begeistert, der deutsche Leitindex Dax zog nach einem ruhigen Vormittag in Windeseile an und sprang am Nachmittag erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 8500 Punkten.

"Ein voreiliges Ende oder eine Straffung birgt das Risiko, die wirtschaftliche Erholung abzuwürgen", sagte Bernanke bei einer Anhörung vor dem US-Kongress in Washington. Auch in Europa wird das Geld aller Voraussicht nach noch lange billig bleiben. Der Kontinent steckt in der Rezession, die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Leitzins gerade erst Anfang Mai auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt. Und immer mehr Experten sehen das untere Ende der Zinsspirale noch nicht erreicht.

Nicht nur Finanzprofis, auch Privatleute lassen sich von der Boom-Stimmung an den Börsen locken. Die Commerzbank-Onlinetochter Comdirect stellte kürzlich fest: "Das Vertrauen in Aktien hat sich weiter verfestigt. Auch im April – und damit im vierten Monat in Folge – hielt die seit Jahresbeginn herrschende positive Grundstimmung an. Über den gesamten Monat hinweg zeigten sich die Privatanleger kauffreudig und nutzten immer wieder zwischenzeitlich gesunkene Kursniveaus zum Einstieg."

Die Hoffnung auf Kursgewinne und Dividenden sind in Zeiten extrem niedriger Zinsen gleich ein doppeltes Argument für ein Investment an der Börse. Natixis-Manager Jörg Knaf meint, wenn man genauer hinschaue, seien Aktien im Moment die beste Alternative: "Denn historisch betrachtet, und relativ gemessen an anderen Anlageformen, sind Aktien immer noch "preiswert" zu sehen."

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) gießt Wasser in den Wein:
Das Kurspotenzial sei weitgehend ausgeschöpft. Aktien nähmen derzeit "offensichtlich bereits eine sichtbare Erholung der Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr vorweg". Sollte nun die Konjunktur nicht anspringen und damit zum Beispiel die Investitionen von Unternehmen, drohe "den technisch überhitzten Indizes eine ausgeprägtere Korrektur", mahnen die Helaba-Börsenkenner.

Droht jetzt ein Einbruch an den Märkten wie nach dem Börsenhype 2000 oder 2007, fragen sich Pessimisten? Experten der Commerzbank wiegeln ab. Die Aussichten für den Dax seien viel besser als damals: "Die Notenbanken betreiben eine expansive Geldpolitik, die Dax-Dividendenrendite ist im Vergleich zur Verzinsung von Staats- und Unternehmensanleihen sehr attraktiv."

Auch die DZ Bank ist überzeugt: Sollte die Konjunktur deutlich über 2014 hinaus anziehen, wovon das genossenschaftliche Spitzeninstitut ausgeht, hätten "die Aktienmärkte auch aus fundamentaler Sicht weiteres Anstiegspotenzial". Volkswirte gehen davon aus, dass die Wirtschaft in Deutschland und im Euroraum spätestens im zweiten Halbjahr an Fahrt gewinnen wird.