Amman (dpa) - Die diplomatischen Bemühungen um eine Lösung des Syrien-Konflikts laufen auf Hochtouren. Ergebnisse sind aber noch nicht in Sicht. Doch die Zeit drängt. Zu den rund 80 000 Toten des Bürgerkriegs kommen jeden Tag Dutzende hinzu.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte am Mittwoch bei einem Treffen mit dem syrischen Vizeaußenminister Faisal al-Mikdad in Moskau, die Opposition sende Signale, die "nicht ermutigend" seien. Fast gleichzeitig drohte US-Außenminister John Kerry dem Regime von Präsident Baschar al-Assad mit einer verstärkten Unterstützung der Rebellen, falls die Vermittlungsbemühungen scheitern sollten.

In einem Akt der Verzweiflung rief die syrische Opposition unterdessen alle Revolutionsbrigaden des Landes auf, Kämpfer und Munition in das belagerte Al-Kusair zu schicken. In der Schlacht um die Kleinstadt starben am Mittwoch drei Kämpfer. Landesweit zählte die Opposition 66 Tote.

Kerry kam am Abend in der jordanischen Hauptstadt Amman mit zehn weiteren Außenministern - darunter Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) - und syrischen Oppositionellen zusammen. Im Mittelpunkt des Treffens der Kerngruppe der "Freunde des syrischen Volkes" stand die Vorbereitung der von den USA und Russland für Juni geplanten internationalen Friedenskonferenz, bei der die Konfliktparteien an einen Tisch gebracht werden sollen. Beide Seiten stehen einem solchen Treffen aber skeptisch gegenüber.

Kerry betonte, die Friedenskonferenz für Syrien solle sich auf die Bildung einer Übergangsregierung konzentrieren. Zu Assad sagte er, es sei zwar letztlich kaum vorstellbar, dass ein Mann, der Panzer und Raketen gegen Frauen und Studenten eingesetzt habe, Syrien künftig regiere. "Letztlich sollen aber die Syrer selbst entscheiden."

Lawrow warf den Regierungsgegnern vor, sich nicht auf Verhandlungen ohne Bedingungen einigen zu können. "Die Situation erfordert eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und den Beginn eines politischen Dialogs", sagte er. Al-Mikdad behauptete, die Führung in Damaskus sei sofort zu Gesprächen bereit. Er lobte zudem die "Annäherung" Russlands und der USA in der Syrienfrage als "Meilenstein", wie die Agentur Itar-Tass meldete.

Westerwelle sieht die zunehmende Gefahr, dass der Syrien-Konflikt auf die Nachbarländer übergreift. "Ich fürchte, man muss unumwunden feststellen, dass die Gefahr eine Flächenbrandes eher gewachsen als geringer geworden ist", sagte er in Amman. Umso wichtiger sei es, dass die von den USA und Russland geplante Konferenz ein Erfolg werde. "Eine militärische Lösung wird mit Sicherheit keine nachhaltige, friedliche, demokratische, stabile Lösung für Syrien bringen", sagte Westerwelle. "Was wir brauchen ist ein Ausgleich, eine politische Lösung."

Nach langem Zögern sprach sich der deutsche Außenminister dafür aus, dass mindestens der militärische Arm der libanesischen Schiiten-Bewegung Hisbollah von der EU als Terrororganisation geächtet wird. "Diese deutsche Haltung basiert auf einer sich zunehmend klarer herauskristallisierenden Faktenlage und auch Fortschritten der zyprischen Behörden bei der Aufklärung terroristischer Aktivitäten auf Zypern", sagte er. "Ich setze darauf, dass die notwendigen Beratungen innerhalb der EU jetzt zügig abgeschlossen werden können."

Die vom Iran unterstützte Hisbollah kämpft in Syrien an der Seite Assads. Die US-Regierung führt die Schiiten-Miliz auf ihrer Terroristen-Liste. Washingtons Bemühungen, die EU ebenfalls zu einer Ächtung der Schiiten-Bewegung zu drängen, waren bislang fruchtlos geblieben. Bisher haben die EU-Regierungen aus Angst vor einer Destabilisierung des Libanons die Hisbollah nicht auf ihre Terrorliste gesetzt.

Die syrischen Regierungstruppen gewinnen nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes (BND) im Kampf gegen die Rebellen zunehmend die Oberhand. Der BND habe sein Lagebild des Bürgerkriegs revidiert, berichtete das Nachrichtenportal "Spiegel Online". Die Lage der Rebellen werde von BND-Chef Gerhard Schindler mittlerweile als prekär eingeschätzt. Der Geheimdienstchef habe gesagt, Assads Armee sei so stark wie lange nicht. Noch Ende 2012 hatte Schindler das Regime in seiner "Endphase" gesehen. Seither wuchs allerdings die Unterstützung durch die Hisbollah und durch Syriens Waffenlieferanten Russland.

Auswärtiges Amt zu Syrien