Berlin (SID) - Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger glaubt unverdrossen an die Reformfähigkeit des Weltverbandes und hat von FIFA-Boss Joseph S. Blatter höchstpersönlich den Auftrag für die Ausarbeitung eines Kompromissvorschlags in Bezug auf die heiß diskutierte Altersgrenze für Fußball-Funktionäre erhalten.

Dass die FIFA reformunfähig sei, bezeichnete der 67 Jahre alte Jurist aus Altendiez im Bild-am-Sonntag-Interview als "Unsinn". Weiter führte das FIFA-Exekutivkomitee-Mitglied aus: "Ich habe auch gehofft, dass wir einen Kompromiss über die Altersbegrenzung erzielen. Aber das war hier noch nicht möglich. Sepp Blatter hat mich beauftragt, nun eine mehrheitsfähige Lösung zu finden. Das wird auch gelingen."

Es seien Reformen verabschiedet worden, "die vieles klarer und präziser machen. Das Unter-den-Teppich-Kehren hört auf", betonte Zwanziger. Im Vorfeld des 63. FIFA-Kongresses auf Mauritius am vergangenen Freitag war vom Exko die Entscheidung über die Altersgrenze auf den Kongress 2014 verschoben worden. Zwischen Europäern im Exekutivkomitee - die eine Verabschiedung auf Mauritius gefordert hatten - und den restlichen Exko-Mitgliedern hatte es keinen Konsens gegeben. Auch eine Entscheidung über die Anzahl der Mandate wurde vertagt.

Zwanziger ist der festen Überzeugung, dass es zu einer Wiederholung einer Entscheidung wie zum Beispiel, die WM-Endrunde 2022 in Katar auszutragen, nicht mehr kommen wird: "In Zukunft werden die Weltmeisterschaften durch den Kongress, also durch alle Mitgliedsverbände, vergeben und nicht wie bisher allein durch das Exekutivkomitee. Eine WM-Entscheidung wie für Katar 2022 ist so nicht mehr möglich. Der beste Kandidat gewinnt künftig."

Laut Zwanziger werde sich möglicherweise die unabhängige Ethik-Kommission der FIFA mit der WM-Vergabe vom 2. Dezember 2010 in Zürich beschäftigen. "Auch in Sachen Katar werden sie prüfen, ob gegen das Ethik-Reglement verstoßen wurde durch Korruption und Interessenkollision", äußerte der ehemalige DFB-Schatzmeister.

Zwanziger berichtete außerdem von Reibungen im Verhältnis zwischen Blatter und UEFA-Präsident Michel Platini, einstiger Ziehsohn des FIFA-Chefs: "Man spürt, dass das Verhältnis nicht mehr so großartig ist, wie es bei Platinis Wahl zum Uefa-Präsidenten 2007 war." 2015 steht die Wahl zum FIFA-Präsidenten an. Möglicherweise bewirbt sich der 77-jährige Blatter um eine fünfte Amtszeit, der 57-jährige Platini gilt als möglicher weiterer Kandidat.