Brüssel/Kairo (dpa) - Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat sich entsetzt über das Ausmaß der Gewalt in der umkämpften syrischen Kleinstadt Al-Kusair gezeigt.

Laut einer Erklärung vom Samstagabend in Brüssel rief Ashton die Konfliktparteien dringend auf, Hilfsorganisationen einen sicheren Zugang zu gewähren. Außerdem müsse es möglich sein, Verletzte und Zivilisten zu evakuieren. "Viele Zivilisten sind in einer extrem kritischen Lage."

Die Konfliktparteien und hier vor allem die syrische Regierung müssten den Schutz von Zivilisten sicherstellen. "Es wird keine Straffreiheit für die Täter geben." Ashton betonte erneut die Notwendigkeit einer politischen Lösung des Konflikts. Die Europäische Union werde zum erfolgreichen Zustandekommen einer Syrien-Friedenskonferenz alles Erdenkliche unternehmen.

Syrische Regierungstruppen und Hisbollah-Kämpfer intensivierten ihre Angriffe auf Rebellen in der Nähe von Al-Kusair. "Die internationale Gemeinschaft muss eingreifen, um die Verletzten in Al-Kusair zu retten", teilten die Syrischen Menschenrechtsbeobachter am Samstag mit. "Die eingeschlossenen Menschen haben keinerlei medizinische Versorgung. Die Situation ist katastrophal."

Nach Angaben von Aktivisten versuchen die Rebellen, die schwer verletzten Zivilisten aus dem belagerten Al-Kusair in den benachbarten Libanon zu bringen. Beschuss durch Regierungstruppen erschwere jedoch die Rettungsaktionen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Konfliktparteien auf, den eingeschlossenen Zivilisten die Flucht zu ermöglichen. Ban ließ erklären, die am Konflikt Beteiligten müssten wissen, dass die Welt sie genau beobachte und sie für Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung in Al-Kusair verantwortlich gemacht würden.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind Tausende Zivilisten wegen der heftigen Gefechte in der Stadt eingeschlossen. "Wir sind extrem alarmiert", sagten UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos und UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay. Rund 1500 Verletzte müssten dringend in Sicherheit gebracht und medizinisch versorgt werden. An die Konfliktparteien appellierten sie, sofort einer Waffenruhe zuzustimmen, um Helfern Zugang zu den Menschen zu ermöglichen.

Die Hilfsorganisation "Save the Children" forderte eine rasche, politische Lösung des Syrien-Konflikts. Mädchen und Jungen litten unter der Gewalt, unter Mangelernährung und fehlender medizinischer Versorgung. Der Bürgerkrieg hat seit März 2011 mindestens 80 000 Menschen das Leben gekostet. Die Vereinten Nationen schätzen, dass rund 1,5 Millionen Syrer aus dem Land geflüchtet sind, um dem Bürgerkrieg zu entkommen.