München/Berlin (dpa) - Falschberatung von Bankkunden ist nach Ansicht von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner nach wie vor ein Problem in Deutschland.

"Leider haben noch nicht alle Banken verstanden, dass Falschberatung kein Kavaliersdelikt ist", sagte die CSU-Politikerin dem Nachrichtenmagazin "Focus" und fügte hinzu: "Wenn ich höre, dass einem 84-Jährigen eine hochbrisante Beteiligung an einem Schiffsfonds als "sichere Altersvorsorge" verkauft wird, finde ich das ungeheuerlich."

Dieses Geschäftsgebaren schade nicht nur den Kunden, sondern dem Ruf der gesamten Finanzbranche, so Aigner weiter. Mit Blick auf steigende Beschwerdefälle von geschädigten Anlegern forderte die Ministerin ein schärferes Vorgehen der Justiz: "Bei Verstößen muss hart durchgegriffen werden." Der angekündigte Kulturwandel in den Geldhäusern dürfe kein leeres Versprechen bleiben. "Nur wenn sich die Banken wieder mehr auf die Wünsche der Kunden besinnen, kehrt Vertrauen zurück", betonte Aigner. Und weiter: "Die Banken müssen kapieren, dass sie für die Gesellschaft eine dienende Funktion haben."

Die Forderung der Opposition nach einem unabhängigen Finanzmarktwächter wies die Ressortchefin zurück. Es gebe Aufsichtsbehörden, klare Gesetze und unabhängige Marktwächter. Auch dürften riskante Anlagen nicht verboten werden, denn am Ende müsse jeder selbst über sein Risiko entscheiden. "Wer zocken will, soll zocken dürfen", so Aigner. "Nur: Er muss wissen, dass er zockt. Transparenz ist entscheidend."