Washington (dpa) – Basstölpel aus benachbarten Kolonien gehen in unterschiedlichen Revieren auf Nahrungssuche. Sie kämpfen nicht gegeneinander um die besten Futterplätze, sondern scheinen sich einfach aus dem Weg zu gehen, wenn die Konkurrenz groß ist.

Dies berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "ScienceExpress". Vermutlich tauschten die Vögel innerhalb ihrer eigenen Kolonie Informationen über gute Futterplätze aus.

Ewan Wakefield von der Universität von Leeds und seine Mitarbeiter hatten Basstölpel (Morus bassanus) aus 12 von insgesamt 26 Kolonien an der Küste der Britischen Inseln mit Peilsendern ausgestattet. So konnten sie die Flugrouten der Vögel verfolgen. Basstölpel legen teils weite Strecken zu ihren Nahrungsgründen zurück. Die Forscher sprechen von bis zu 700 Kilometern.

Die Auswertung ergab, dass die Futtergebiete einzelner Kolonien sich kaum überschnitten, viel weniger als es angesichts der Nähe der Kolonien zueinander zu erwarten gewesen wäre. Stattdessen schienen sich die Vögel jeweils eigene Nahrungsgründe zu suchen.

Einige Tierarten, die zum Fressen zentrale Futterstellen aufsuchen, verteidigen ihr Jagdgebiet gegen Eindringlinge, zum Beispiel Ameisen. Bei Seevögeln und vielen anderen Arten ist das aber nicht so. Wie diese in dicht besiedelten Lebensräumen mit Konkurrenz umgehen, war bisher unklar. Einige Forscher hatten angenommen, dass der Abstand zur jeweiligen Kolonie die Grenze zwischen den Futtergebieten bedingen würde. Die Untersuchung der Basstölpel zeige, dass dies aber zumindest nicht immer der Fall sei.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Grundlage für die freiwillige räumliche Trennung bei den Vögeln ein Informationsaustausch ist. So landen Basstölpel vor Beginn der Jagd den Angaben zufolge zunächst in der Nähe ihrer Kolonie auf dem Wasser und brechen dann gemeinsam auf. Außerdem riefen sie bei Abflug von und Ankunft an der Kolonie. Einzelne Vögel könnten dann zum Beispiel besonders erfolgreichen Artgenossen folgen.